Nach mehr als anderthalb Jahren Pandemie-Maßnahmen bestätigte Kretschmer gleichzeitig auch, dass er Verständnis für die Ungeduld der Bürger habe. "Wir sind alle miteinander müde, was Corona angeht. Jeder möchte in die Normalität zurück", betonte Kretschmer der jedoch klarstellte, dass das Virus keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der Menschen nehme. Die sächsische Gesundheitsministerin
Köpping sprach in diesem Zusammenhang allerdings auch die viel zu geringe Impfquote in Sachsen an. Lediglich 56,7 Prozent der Bürger seien dort doppelt geimpft. Damit liege man in Sachsen über 20 Prozent hinter Bundesländer wie Bremen oder Hamburg, kritisierte Köpping. Aktuell liege die Inzidenz bei den Ungeimpften in Sachsen bei 560, während die der Geimpften bei 59 liege. In einigen Gegenden seien erneut Höchststände bei den Inzidenz wie Ende des Jahres 2020 erreicht worden. Sollte sich die Situation nicht grundlegend ändern, drohe bereits in 2 Wochen die Grenzwerte in den Krankenhäusern überschritten zu werden.
Erste Experten fordern nun die Lage durch die Ausweitung des 2G-Modells und engmaschiges Testen zu kontrollieren. Offenbar sehen die Experten auch keine Anzeichen, dass man alleine mit Aufklärung der Impfgegner eine höhere Impfquote erreichen könne. Aus diesem Grund werden wohl strengere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass in diesem Jahr wegen einem Mangel an Pflegekräften weniger Intensivbetten zur Verfügung stehen, als noch im Vorjahr. Zwar könne man in einzelnen Kliniken versuchen Personal aus anderen Abteilungen abzuziehen, doch auch diese Maßnahme gestalte sich zunehmend schwieriger. "Wir sind vor einer Tsunami-Welle", befürchtet Christoph Josten, der medizinische Vorstand des Leipziger Universitätsklinikums. Die Belastungen in den Unikliniken in Dresden und Leipzig sei durch Corona bereits jetzt unverhältnismäßig hoch. In seiner Klinik seien die Leistungen wegen Corona bereits um mindestens 30 Prozent reduziert worden. "Das heißt: Geimpfte konkurrieren um Behandlungsplätze mit Nichtgeimpften", erklärt Josten die aktuelle Lage.