Zwar hatten die meisten Mediziner mit einer Erkältungswelle gerechnet, doch das massive Ausmaß ist vor allem für die Kinderärzte nun sehr zermürbend. "Wir hatten erwartet, dass diese RS-Virus-Welle kommt. Es ist relativ klar, dass jetzt, wo die Kinder wieder miteinander zu tun haben dürfen und wir drei Jahrgänge haben, die in den Kindergärten aufeinandertreffen und durch den Lockdown keinen Austausch der Infektionen hatten, dreimal so viele Kinder wie sonst krank werden“, verdeutlicht Ewald. "Die machen jetzt alle auf einmal das durch, was normalerweise nur ein Jahrgang durchmachen würde“, erklärt der Mediziner die Gründe. Normalerweise könnten Kinder auch das RS-Virus gut verkraften. "Gesunde Kinder können so einen Infekt durchaus durchstehen“, sagt Ewald. Allerdings sei es problematisch, dass zur Zeit viele Kinder auch noch durch andere Infektionen geschwächt seien. Und für Kleinkinder und Säuglinge kann das RS-Virus tatsächlich sehr gefährlich werden. Laut dem Robert Koch-Institut sterben 0,2 Prozent der erkrankten Kinder am RS-Virus. Antibiotika helfen gegen dieses Virus kaum. Deswegen können die Ärzte lediglich die Symptome behandeln. Eine frühzeitige Diagnose des RS-Virus sei auch notwendig, damit keine Folgeprobleme durch die Erkrankung auftreten. "Fatal ist, dass die Infektion bestimmte Veränderungen in der Lunge bewirken kann, die auch langfristig zu Folgeproblemen führen können“, macht Ewald deutlich. Viele der am RS-Virus erkrankten Kinder können später zum Beispiel an Asthma oder einer Überempfindlichkeit der Bronchien leiden.