Das klingt so ganz anders als die markigen Boris-Sprüche. Al, wie ihn die Familie nach seinem ersten Vornamen Alexander nennt, hatte angeblich bereits als Kind einen großen Wunsch: Er wollte König der Welt werden. Dieses Ziel muss auch die Frauen, mit denen er bislang zu tun hatte, fasziniert haben, auch wenn die meisten dieser Geschichten ein eher schales Ende hatten.
1987 heiratete er Allegra Mostyn-Owen, die während seines Philologie-Studiums in Oxford die Schönste seines Jahrgangs gewesen sein soll. Es gibt die Anekdote, er habe sich für die Trauung einen Anzug leihen müssen und den Ehering binnen weniger Stunden verloren. Die Ehe währte nur kurz, Scheidung 1993.
Im gleichen Jahr heiratete er die Anwältin Marina Wheeler, die er noch aus Kindheitstagen in Brüssel kannte. Die beiden wurden Eltern von vier Kindern. Lange hatte sie über seine vielen Eskapaden hinweggesehen. Doch dann kam die Beziehung zu Carrie Symonds und sie schmiss ihn raus.
Carrie Symonds ist 23 Jahre jünger als Johnson, und man sagte zeitweilig, dass sie einen großen Einfluss auf ihn habe. Jedenfalls war sein wirrer Schopf einer überwiegend ordentlichen Frisur gewichen. Am 25. Juni 2019 kam es im Haus des Paares allerdings zu einem Polizeieinsatz, weil ein besorgter Nachbar die Beamten um Hilfe gerufen hatte. Aus der Wohnung von Carrie Symonds, bei der Johnson eingezogen ist, habe er lauten Krach und Schreie gehört. Der Mann hat eine Tonaufnahme von dem Streit gemacht und sie dem "Guardian" zugespielt.
Es sei zu hören, so berichtet die Zeitung, wie sich "Bozzie Bear", wie Carrie ihn in besseren Tagen genannt hat, weigere, das Apartment seiner Freundin zu verlassen, obwohl diese ihn mehrfach dazu aufgefordert habe. "Geh verdammt noch mal von meinem Laptop weg!", schreit Symonds ihn demnach an. Danach ist ein Krachen zu hören, Symonds schreit Johnson erneut an, weil er offenbar Rotwein auf ihr Sofa verschüttet hat. "Dir ist alles egal, du bist so verwöhnt. Dich kümmert weder Geld noch sonst was! Raus hier! Verlass meine Wohnung!"
Vorwürfe gegen Boris JohnsonVielleicht liegen die Schwierigkeiten mit dem anderen Geschlecht auch am Frauenbild von Boris Johnson. 2008 schrieb er als Journalist über Hillary Clinton im "Telegraph": "Sie hat gefärbte blonde Haare und Schmolllippen, einen eiskalten, stahlblauen Blick, wie eine sadistische Krankenschwester in einer Irrenanstalt."
Außerdem hat ihn "Sunday Times"-Kolumnistin Charlotte Edwardes jüngst bezichtigt, sie in seiner Zeit als Chefredakteur des konservativen "Spectator"-Magazins um die Jahrtausendwende begrapscht zu haben. Später habe sie erfahren, dass es einer anderen Frau ebenso ergangen sei.
Gegenwind aus der FamilieSeine um ein Jahr jüngere Schwester Rachel soll der ARD einmal gesagt haben (allerdings erst als die Kameras und Mikros ausgeschaltet waren), dass es in der Familie Johnson eigentlich nur einen gebe, der das Zeug zum Premierminister habe: der jüngste Bruder Leo. Der sei ein unglaublich kluger Mensch. Doch Leo ist kein Politiker, er ist Manager bei den Wirtschaftsprüfern PWC.
Leo Johnson moderiert eine bekannte Radiosendung und twitterte, als sich Boris mal wieder über Burka-Trägerinnen lustig gemacht hatte: "Es wäre gut, wenn diese Runde wetteifernder religiöser Intoleranz enden würde." Er ist mit einer Afghanin verheiratet. Schon vor Jahren hat Leo Johnson über die entscheidenden Unterschiede zum älteren Bruder Boris gesagt: "Ich bin nicht blond. Ich bin kein Tory. Ich wurde ohne das Gen für Selbstdarstellung geboren."