Ja, denn dieser Fall ist Krimi-Unterhaltung vom Feinsten und wohl der vorläufige Höhepunkt der noch jungen "Tatort"-Saison. Trotz seines mystisch-okkulten Themas wird die Geschichte stringent und temporeich erzählt und entfaltet einen tollen Spannungsbogen, der in einer durchaus überraschenden Auflösung mündet. Hier ist keine Figur zu viel, jede Dialogzeile treibt die Handlung voran, jede Szene hat ihren Platz. Zu jedem Zeitpunkt will man wissen, wie es weitergeht.
Bemerkenswert ist auch, dass die Erzählung zu keinem Zeitpunkt ins Alberne abrutscht. So liefert der "Tatort" etwa für den schizophren-anmutenden Wahn seines Mordopfers eine magische Erklärung. Der Film stellt dieser aber eine zweite, wissenschaftliche gegenüber. Auf diese Weise bleibt das Magische im Krimi stets erklärbar und der Fall realistisch.
Da ist es verschmerzbar, dass Glasauers Drehbuch an mancher Stelle arg tief in die Klischee-Kiste greift: Ein geheimnisvolles Buch hat einen geheimnisvollen Einband, an jeder Ecke liegt ein neuer Dolch und zwielichtige Pfarrer erzählen in zwielichtigen Krypten von Inquisition und Hexenprozessen. Der Film geizt auch nicht mit Versatzstücken aus bekannten Horror- und Mystery-Streifen, die aber sehr geschickt in die Handlung eingewoben wurden.
Doch nicht nur die Geschichte rund um Magie, Hexenjagd und Opferkulte weiß an den Bildschirm zu fesseln. Regisseur Lewandowski und sein Kameramann Jürgen Carle haben für "Hüter der Schwelle" eine geradezu betörende Bilderwelt erschaffen. Gefilmt in düsteren Wäldern, zwielichtigen Katakomben, schummrigen Gelehrtenstuben und unterlegt mit techno-artiger Filmmusik, entfaltet dieser "Tatort" einen großen Zauber, der von Beginn an in seinen Bann zieht.