Mühe: Schwierig. Ich bin ein sehr ordentlicher Mensch und brauche mein eigenes Badezimmer, ich tue mich schon mit Zelten schwer. Insofern ist eine Kommune wahrscheinlich nichts für mich. Das Landleben als solches empfinde ich aber als etwas sehr Schönes, auch weil meine Tochter dort zum Beispiel frei rauslaufen kann, ohne ständig auf Autos achten zu müssen. Das ist schon toll.
Auffallend sind die tollen Dialoge in der Serie. Sehen Sie das auch so?Mühe: Das stimmt, es gibt viele besondere Dialoge, vor allem zwischen Dörte und Gropius. In den sechs Drehbüchern habe ich keine einzige Änderung vorgenommen. Das ist schon außergewöhnlich. Das war ein Geschenk ohne Schleife, was da auf meinem Schreibtisch lag.
In der Serie geht es auch um Gleichberechtigung und an einer Stelle wird gefragt: "Was ist denn nur aus der tollen Idee der Gleichberechtigung geworden?" - Was würden Sie da aus heutiger Sicht antworten, ist es noch ein Thema?Mühe: Ja, das ist definitiv ein Thema. In unserer Serie wehrt sich Dörte dagegen, dass die Frauen in einer separaten Klasse an der Kunsthochschule nur weben dürfen, obwohl sie wie die Männer angetreten sind, Häuser zu bauen und einzurichten. Sie kämpft dabei nicht für sich selbst, sondern für die Gleichberechtigung, für alle Frauen und in diesem Sinne auch für die Gesellschaft. Das hat mir sehr imponiert. Heute kämpfen die Frauen dafür, genauso viel Geld zu verdienen für die gleiche Arbeit. Es ist leider immer noch ein sehr aktuelles Thema.
Warum ist es oft so, dass Leute, die Vorkämpfer sind und wichtige Dinge vorantreiben, eher schwer ihr persönliches Glück finden können?Mühe: Weil sie manchmal vielleicht ein bisschen verquer im Kopf sind oder eben auf die verqueren Köpfe abfahren und das dann leider kein glückliches Ende nehmen kann... Wenn wir aber darüber reden, was am Ende übrigbleibt, muss ich sagen, dass ich Dörte Helm vor diesem Projekt nicht kannte. Gropius oder Kandinsky waren mir natürlich geläufig, ich kannte aber eigentlich keine Frauennamen. Insofern finde ich es toll, dass sie jetzt eine Plattform bekommen, indem wir die Geschichte über eine Frau erzählen und nicht über einen Mann, was beim Bauhaus ja einfach wäre.
Verraten Sie zum Schluss noch eine kleine, lustige Anekdote von hinter den Kulissen?Mühe: Wir mussten sehr viel lachen und ich glaube, es gibt deswegen auch sehr, sehr viele Outtakes von mir aus diesem Dreh. Ich hatte einfach das Glück, mit sehr lustigen Kollegen arbeiten zu dürfen. Und das, was wir in der Geschichte erzählen, hat sich total auf uns übertragen. Wir waren mutig, neugierig, fantasievoll, hungrig auf das Leben, risikobereit, uneitel und sind da dann einfach durchmarschiert.