Auch die Kinder unter 12 Jahren werden in den nächsten Monaten von den Ansteckungen durch Covid-19 betroffen sein. Stöhr schätzt, dass der Inzidenzwert in dieser Gruppe "möglicherweise bis auf 700 und mehr steigen“ könnte. Eine Ansteckung bei den jüngeren Kindern sei nach Stöhrs Meinung alternativlos. Auf diese Art ist die Menschheit bisher immer bei Atemwegserkrankungen vorgegangen, "ob bei der jährlichen Influenzawelle, den anderen humanen Coronaviren oder den Rhinoviren“, erklärt Stöhr, der sich außerdem sicher ist: "Die Gefahren von Sars-CoV-2 für die jüngeren Altersgruppen sind absolut mit der saisonalen Influenza vergleichbar.“ Sorgen müsse man sich seiner Ansicht nach nur dann machen, wenn die Fallzahlen bei den Geimpften und über 50-Jährigen dramatisch stark ansteigen würde.
In ärmeren Ländern, die keine Möglichkeit auf genügend Impfstoff haben, vermutet Stöhr eine komplette Durchseuchung bis zum Ende der Pandemie. "Gerade in den Ländern mit wenig oder keinem Impfstoff wird das Pandemie-Ende durch die vielen Infektionen im nächsten Jahr womöglich noch schneller erreicht – allerdings auch mit deutlich mehr Schäden.“ Dort dürften dann deutlich mehr Menschen ums Leben kommen als im Vergleich in Deutschland, Israel oder den USA. In diesen Ländern müsse das Augenmerk darauf liegen, die Geschwindigkeit der Ansteckung so zu kontrollieren, das die lokalen Gesundheitssysteme nicht zusammenbrechen. "In den vergangenen 500 Jahren gab es im Durchschnitt etwa alle 28 Jahre eine Pandemie. Was glauben Sie, wie die alle zu Ende gegangen sind? Es ist das erste Mal in der Menschheitsgeschichte, dass es rechtzeitig Impfstoffe gibt. Das hat durch die schlechte Krisenkommunikation aber auch viele falsche Erwartungen geweckt“, gibt Stöhr sein Fazit ab.