Es gibt erste Hinweise, dass AY.3 sogar noch ansteckender sein könnte als die zur Zeit dominierende Delta-Variante. Denn deren Ausbreitung ist zuletzt in Großbritannien leicht zurückgegangen. Gleichzeitig stiegen dann jedoch die Zahlen der Infektionen durch AY.3, wie die Mathematikerin Pagel bestätigt: "Was nicht unbedingt zu Besorgnis führen würde – außer, dass dieser Rückgang fast ausschließlich auf einen schnellen Anstieg von AY.3 zurückzuführen ist“, analysiert Pagel die aktuellen Zahlen. Auch deshalb hegt sie den Verdacht, dass diese Variante noch infektiöser als Delta sein könnte. Ähnliche Vermutungen hegt auch der Neurowissenschaftler Henk-Jan Westeneng. Der leichten Abfall von Delta in Großbritannien sei für ihn der Beweis, "dass etwas anderes schneller wächst“. Deshalb macht Westeneng "höchstwahrscheinlich AY.3“ für diese Entwicklung verantwortlich. "Es gibt vieles, was wir über AY.3 nicht wissen“, erklärt Mathematikerin Pagel die ersten vorliegenden Erkenntnisse.
Noch wird diese neue Variante weder vom Robert-Koch-Institut noch von der Weltgesundheitsorganisation WHO als "besorgniserregend“ oder "unter Beobachtung“ eingestuft, sondern als eine Unterart der "besorgniserregenden“ Delta-Variante gelistet. Trotzdem hat sich am Freitag der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu AY.3 zu Wort gemeldet. Bei Twitter schrieb Lauterbach: "In UK und USA scheint sich eine neue Sars-CoV-Variante zu verbreiten, die ansteckender noch als die Delta Variante zu sein scheint. Das erinnert daran, wie wichtig der schnelle Impferfolg ist. Es wird auf jeden Fall noch gefährlichere Varianten als Delta geben“, so der Politiker und Epidemiologe. Gleichzeitig forderte Lauterbach die Bundesbürger auf, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.