Oliver Kahn: Ein Titan, nicht nur für die Bayern

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Oliver Kahn: Ein Titan, nicht nur für die Bayern

Stars (2 / 1) 28.12.2020 16:57 / Torben Symbolbild imago images / Sven Simon


Damit zerplatzte ein Traum für Oliver Kahn und jeder, auch seine härtesten Kritiker, hätten verstanden, wenn er wutentbrannt seine Sachen gepackt und hingeschmissen hätte. Doch Kahn reagierte komplett anders: Er akzeptierte die Entscheidung und setzte sich ohne Murren auf die Bank. Er, der mehrfache Welttorhüter. Der eigentlich Unbesiegbare war nur noch die Nummer zwei. Doch mit diesem sanften Verhalten läutete er spätestens jetzt seinen Wandel ein.

Turbulentes Privatleben

Aufsehen erregte er zuvor auch außerhalb des Spielfelds, als er seine damalige Ehefrau Simone (zwei Kinder) verließ und mit dem It-Girl Verena Kerth durch München zog. Zwar kehrte er 2008 zur Ehefrau zurück, doch ein Jahr später teilte er offiziell seine endgültige Trennung mit. Seit 2011 ist aber auch an dieser Front absolute Ruhe eingekehrt: Oliver Kahn ist seitdem mit dem Model Svenja Kögel verheiratet, mit der er einen Sohn (geb. 2011) und eine Tochter (geb. 2016) hat.

Nach dem endgültigen Karriereende als Torwart im Jahr 2008 belegte er an der österreichischen Privatuniversität Schloss Seeburg den Studiengang General Management mit dem Nebenfach Sportmanagement, was er 2011 mit dem akademischen Grad Master of Business Administration abgeschlossen hat. Ein Manager-Angebot von Schalke 04 lehnte er ab.

Ein neuer Oliver Kahn

Mit dem Studium und dem Umstieg von der kurzen auf die lange Hose lernte die Öffentlichkeit endgültig einen neuen Oliver Kahn kennen. Seit 2008 kommentiert Kahn im ZDF als Experte Fußball-Großereignisse wie Welt- und Europameisterschaften. Und das Publikum, vor allem diejenigen, die Kahn noch aus seiner aktiven Zeit kennen, staunen bis heute: von Ruppigkeit und Verbissenheit ist schon längst überhaupt keine Spur mehr. Der Titan analysiert präzise, klug und nachvollziehbar für die Zuschauer - lächelnd und locker. Deswegen wurde ihm 2015 und 2017 der Deutsche Sportjournalistenpreis "Bester Sportexperte" verliehen.

Kahn ist nicht nur Markenbotschafter des Wettanbieters Tipico, er hat auch das Unternehmen Goalplay gegründet. Die Firma versorgt weltweit aktive Sportler nicht nur mit Torwartprodukten, sondern bietet mit der Goalplay Academy Vereinen, Verbänden und Sportschulen auch Unterstützung und Austausch für die Torwartausbildung nebst einer Onlineschulung an. Daneben hält Kahn für andere Unternehmen Fachvorträge zu Themen wie "Ziele", "Erfolg", "Scheitern", "Selbstführung" und "Motivation".

Auch auf sozialer Ebene ist Kahn seit vielen Jahren aktiv. So unterstützt er die Aktion buntkicktgut, die sich in ganz Europa um Kinder und Jugendliche verschiedener kultureller und sozialer Herkunft kümmert. Und er hat die Oliver-Kahn-Stiftung gegründet, die daran arbeitet, weltweit Bildungszentren aufzubauen, "um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche mit der Kraft des Fußballs zu motivieren und zu fördern."

Nun folgt also der nächste und wahrscheinlich bislang größte Schritt seit seiner aktiven Karriere: In wenigen Monaten wird Oliver Kahn die Geschickte des ruhmreichen FC Bayern München lenken und leiten. Dass die derzeitigen Macher der Bayern rund um Hoeneß, Rummenigge und Co. sich für den Titan als Boss entschieden haben, überrascht nur, wenn man sich ein Kahn-Porträt aus dem Jahre 2005 ansieht. 2019 hingegen scheint die Entscheidung konsequent und richtig.