Sein Kopf ist kahlgeschoren. Über der Stelle, an der zumindest anatomisch ein Herz sein sollte, prangt ein riesiges Hakenkreuz. Wer 1998 den Film "American History X" im Kino sah, bekam nicht nur ein schonungsloses und dennoch lebensbejahendes Neonazi-Drama zu Gesicht. Der Zuschauer wohnte auch der Geburtsstunde eines Hollywood-Stars bei, der in Hinsicht Vielseitigkeit bis heute seinesgleichen sucht. Edward Norton (50) war schon geläuteter Rechtsradikaler, schizophrener Anarchist, unglaublicher Hulk und depressiver Vierbeiner. Sogar einem Bagel lieh er schon seine Stimme. Am 18. August ist er aber vor allem eins: Geburtstagskind.
Erfolg und SchicksalsschlagWie nah Freud und Leid beieinanderliegen können, das erfuhr Norton zu Beginn seiner Karriere Mitte der 90er Jahre. Gerade hatte er noch im Film "Zwielicht" (1996) an der Seite von Richard Gere (69) ein beeindruckendes Hollywood-Debüt hingelegt. Eine immens anspruchsvolle Rolle als junger Mann mit gespaltener Persönlichkeit, die ihm einen Golden Globe einbrachte und immerhin eine Nominierung als "Bester Nebendarsteller" bei den Oscars bescherte. Nur ein Jahr später dann der Schicksalsschlag: Seine Mutter stirbt nur ein Jahr nach seiner Kino-Premiere an den Folgen eines Gehirntumors.
Norton trennt sein Privatleben bewusst von seiner Arbeit. So sagte er in einem Interview mit dem "Vogue"-Magazin und im selben Jahr, als seine Mutter verstarb (1997), dass exzessive Berichterstattung über seine Person ihn davon ablenke, sein Bestes als Schauspieler geben zu können. Vielleicht auch deshalb konnte er im besagten Jahr überhaupt keine Rolle in einem Kinofilm vorweisen, wohingegen es im Jahr zuvor gleich drei waren. Sein Comeback 1998 fiel dafür umso erstaunlicher aus.
Das ist Edward Norton?Kaum wiederzuerkennen war der Mime als Derek Vinyard, dem eingangs erwähnten Neonazi aus "American History X". Aus dem dürren Milchgesicht der vergangenen Jahre war ein vor Testosteron und Wut bebender Muskelberg geworden. 15 Kilo in nur drei Monaten soll er durch hartes Training und jeder Menge Proteinshakes für den vielschichtigen Part zugelegt haben. Wie schnell Muskeln jedoch schwinden können, bewies er wiederum nur ein Jahr später - in einer erneut ikonisch-anspruchsvollen Rolle.
Zwar floppte "Fight Club" von David Fincher (56) an den Kinokassen, über DVD-Verkäufe mauserte sich der Anarcho-Streifen auf Vorlage des gleichnamigen Romans von Chuck Palahniuk (57) aber doch noch zum Erfolgs- und Kultfilm. An der Seite eines verboten gut durchtrainierten Brad Pitt (55) war Norton nun wieder der bleiche Hänfling, der sein behütetes Konsumentenleben für das eines Krawall-Terroristen aufgab. Wieder einmal wurde von Norton verlangt, eine im wahrsten Sinne des Wortes zerrissene Persönlichkeit zu verkörpern - wieder einmal gelang ihm das mit Bravour.
Vor sowie hinter der Kamera und im Tonstudio