Nach dem schrecklichen Blutbad von Würzburg erstarkt erneut die Diskussion um den Umgang mit straffälligen Asylbewerbern. Denn dort hatte ein polizeibekannter Islamist aus Somalia drei Frauen ermordet. Und viele Bundesbürger stellen sich die berechtigte Frage, wieso der Täter, Abdirahman J. (24), so unbehelligt in Deutschland leben konnte, obwohl dessen Asylantrag bereits abgelehnt war. Jetzt wird gar darüber diskutiert, ob abgelehnte und straffällige Asylbewerber künftig in Abschiebehaft genommen werden sollen.
Zur Zeit halten sich mehr als 290 000 Personen in Deutschland auf, die eigentlich ausreisepflichtig sind. Doch die Abschiebung aus Deutschland gleicht einem Schneckenrennen. Pro Jahr wird zur Zeit nur 1 von 30 ausreisepflichtigen Menschen abgeschoben. Im Jahr 2020 waren es 10.800 Menschen, die aus Deutschland in ihre Herkunftsländer abgeschoben wurden. Viele der dafür zuständigen Bundesländer drücken sich offenbar um diese Pflicht. Das Attentat von Würzburg kommt für die Politik zu einem schlechten Zeitpunkt. Denn die Bundesregierung versucht offenbar zu vermeiden, dass dieses Thema, das auch im Zusammenhang zur Flüchtlingskrise 2015 steht, beim Wahlkampf für die Bundestagswahlen im Herbst zu einem Thema wird. In anderen Staaten werden Abschiebungen allerdings mit weniger Bedenken gehandhabt (u. a. Österreich, Frankreich). Auch das eigentlich als liberal geltende Dänemark versucht mit einer radikalen Abschreckung die Zahl der "unerwünschten“ Migranten zu reduzieren. Dort wird durch Regierungschefin Mette Frederiksen (43) und ihr Integrationsminister Mattias Tesfaye (40, beide Sozialdemokraten) offen gesagt, dass die Anzahl der Asylbewerber auf Null gedrückt werden soll.