Zuvor hatte Pentagon-Sprecher John Kirby einen verzögerten Abzug aus Afghanistan ins Gespräch gebracht. Das Verteidigungsministerium habe die Lage vor Ort ständig im Blick und sei bereit, flexibel darauf zu reagieren. Derzeit gebe es zu viel Gewalt. Die USA bewahrten sich deshalb "Flexibilität", sollten Änderungen am Tempo oder am Umfang des Abzugs nötig sein, sagte Kirby.
Der Abzug der US-Truppen soll nach den Plänen von Trumps Amtsnachfolger Joe Biden bis spätestens zum 11. September abgeschlossen sein. Auch die übrigen Nato-Truppen sollen bis zu diesem Datum aus Afghanistan abgezogen sein.
Nach Pentagon-Angaben ist der US-Abzug derzeit etwa zur Hälfte abgeschlossen. Die US-Armee hat bereits mehrere Stützpunkte an die afghanische Armee übergeben und hunderte Flugzeugladungen Material ausgeflogen.
Noch seien die US-Truppen aber in der Lage, die einheimischen Sicherheitskräfte zu unterstützen, sagte Kirby. Dies ändere sich jedoch, je weiter der Abzug voranschreite.
Auch die Bundeswehr hat inzwischen mit dem Abzug ihrer zuletzt 1100 Soldaten in Afghanistan begonnen. Ende April war bereits der von der Bundeswehr genutzte Bereich im Camp Pamir in Kundus an die afghanischen Streitkräfte übergeben worden. Danach folgten die Liegenschaften innerhalb des afghanischen Camps Shaheen in der Provinz Balkh.
Um auch nach dem Abzug der internationalen Truppen eine gewisse westliche Präsenz in Afghanistan aufrecht zu erhalten, will die Nato unter anderem den Betrieb des internationalen Flughafens Kabul finanziell unterstützen. Die Türkei hat bereits zugesagt, den Flughafen zu sichern. Für weitere Gespräche dazu reist am Donnerstag eine US-Delegation in die Türkei. US-Präsident Biden empfängt am Freitag den afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani und den Verhandlungsführer der Kabuler Regierung im innerafghanischen Friedensprozess, Abdullah Abdullah, im Weißen Haus.