"Das ist eine übertriebene Forderung", äusserte Walger zu diesem Thema beim ZDF. "Man kann auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt sofort die Maskenpflicht für alle Kinder unter zehn Jahren beenden. Das ist schon lange eine Möglichkeit in Abhängigkeit von Inzidenzzahlen", versichert der Mediziner.
Unterschiedlich sei die Situation hingegen bei älteren Kindern. Denn dort gehe die Ansteckungsgefahr dann "langsam in das Risikoprofil der Erwachsenen" über. "Aber bei fallenden Inzidenzzahlen, die wir erwarten in Abhängigkeit von der sommerlichen Entwicklung, wird auch dort die Maskenpflicht fallen müssen", ist sich der Mediziner sicher. Walger glaubt, dass das Übertragungsrisiko, das von Kindern ausgeht, deutlich niedriger sei als bei Erwachsenen. Studien aus der ganzen Welt zeigen, dass die Übertragung in den meisten Fällen von den Erwachsenen auf die Kinder erfolgt. Dies bedeutet, dass sich die Kinder untereinander sehr viel seltener anstecken und in der Schule somit eine größere Sicherheit herrsche, als in der Familie. "Die Schule ist ein insgesamt relativ sicherer Ort für Kinder, sicherer als das private Milieu. Dem sollten wir endlich Rechnung tragen", fordert Walger.
Doch bei allem Optimismus sieht der Mediziner auch im Sommer noch Probleme durch die Pandemie. Walger forderte die Menschen deshalb auf wachsam zu bleiben und die Erfahrungen aus der 3. Welle nicht zu vergessen. Die starke Ausbreitung der Delta-Variante in Großbritannien sieht der Mediziner darin begründet, dass man sich dort dazu entschieden habe, die zweite Impfung gegen das Coronavirus weit nach hinten zu schieben. Diesen Fehler habe man in Deutschland glücklicherweise nicht begangen. Der Infektiologe bezeichnete es als gute Nachricht, dass die verschiedenen Impfstoff offenbar nach der 2. Impfung ebenfalls einen guten Schutz gegen die Delta-Variante des Coronavirus bieten.