Theoretisch hätten T-Zellen auf jeden Fall mehrere Vorteile gegenüber dern Antikörpern. Denn sie sind sowohl langlebiger und reagieren auf andere Bestandteile des Virus, die in der Regel eher selten mutieren, als die Bestandteile, die von den Antikörpern erkannt werden. Eines der Unternehmen, das in dieser Hinsicht forscht ist OSE Immunotherapeutics. Gerade hat das Biotech-Unternehmen aus Frankreich damit begonnen, seinen neu entwickelten Impfstoff in klinischen Studien zu erproben. "Er könnte mehrere Jahre lang schützen", ist Unternehmenschef Alexis Peyroles zuversichtlich. Auch die französische Firma Osivax mit Sitz in Lyon ist dabei einen Impfstoff für eine T-Zell-Impfung zu entwickeln und hofft einen "universellen" Impfstoff zu entwickeln, der gegen alle derzeitigen und zukünftigen Varianten des Virus wirksam wäre. Beide Unternehmen werden von der französischen Regierung mit Forschungsgeldern unterstützt. Allerdings bilden diese Firmen die Ausnahme. Die meisten der insgesamt 400 Impfstoffentwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus zielen auf die Antikörper ab. Am weitesten fortgeschritten ist die T-Zell-Impfung des US-Unternehmens ImmunityBio. Die Forscher haben erst im letzten Monat überwiegend ermutigende Ergebnisse veröffentlicht.
Allerdings sollen die T-Zell-Impfstoffe wohl frühstens im nächsten Jahr einsatzbereit sein. Zudem sind viele Wissenschaftler auch skeptisch über deren Wirkung. "Die massenhafte Impfung erzeugt selbst einen evolutionären Selektionsdruck", erklärt britische Virologe Julian Tang. "Und dieser Druck kann das Virus dazu bringen, sich so zu entwickeln, dass es jedem Impfschutz entgeht." Aus diesem Grund sind Impfstoffe, die auf weite Verbreitung ausgelegt sind, auch ein "zweischneidiges Schwert". Zudem stellt sich die Frage, ob der Körper in der Lage sein wird, das Virus tatsächlich auf T-Zellen basierenden Reaktionen zu bekämpfen. Denn normalerweise arbeiten T-Zellen und Antikörper bei der Immunantwort im Körper zusammen. Wenn die Antikörper versagen würden, "nützen die T-Zellen nicht viel", glaubt der französische Virologe Yves Gaudin, der die Wirksamkeit eines T-Zell-Impfstoffes anzweifelt. Nach seiner Ansicht müsse ein idealer Impfstoff auf beiden Ebenen wirksam sein, erklärt der Wissenschaftler. Sollten diese Impfstoffe eingesetzt werden, dann würden sie wohl an Menschen verabreicht werden, die bereit Antikörper-Impfungen erhalten haben. Bis es soweit ist, müssen sich die Menschen aber noch ein wenig gedulden.