Nach bisherigen Kenntnissen hatte der Pfleger den Patienten eine
Überdosis eines Medikaments verabreicht, das nicht auf der Liste der für sie vorgesehenen Medikamente gestanden hatte. Die Spuren der Medikamente waren bei anschließenden Untersuchungen im Blut der Patienten gefunden worden. Das Krankenhaus hatte daraufhin Anzeige gegen den Mann erstattet, der die Vorwürfe seit seiner Festnahme allerdings bestreitet. Der Pfleger hatte erst im Juli 2020 seinen Job in dem Krankenhaus angetreten und hatte dort meistens Dienst auf der sogenannten Wachstation. Vor seiner Zeit in dem bekannten Münchner Krankenhaus hatte der ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen stammende Mann nur in Altenpflege-Einrichtungen gearbeitet. In dieser Zeit soll der Pfleger allerdings nicht auffällig geworden sein. "Hinsichtlich seiner Tätigkeit dort haben sich nach Auskunft der dortigen Ermittlungsbehörden keine Auffälligkeiten hinsichtlich etwaiger vergleichbarer Fälle ergeben", erklärte die Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft weiter. Ein Motiv hinter der Tat könnte sein, dass der Mann sich mit erfolgreichen Reanimationsmaßnahmen brüsten wollte. "Deswegen das Leben eines Menschen zu riskieren, um dann nachher als weißer Ritter dazustehen, das stufen wir natürlich als niedrige Beweggründe ein", ließ die Sprecherin der Staatsanwaltschaft nach der Festnahme des Pflegers verlauten.
Bisher bestreitet der Pfleger die Tatvorwürfe und schweigt zur Sache. Selbst mit wem er über die Reanimierungen gechattet hatte, wollte er nicht verraten. In dem Fall werden allerdings Erinnerungen an den Fall des Patientenmörder Niels Högel (44) wach, der in insgesamt 85 Fällen wegen Mordes vom Landgericht Oldenburg zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Högel hatte an Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg in seiner Zeit als intensivmedizinischer Krankenpfleger 85 Patienten durch die Verabreichung von Medikamenten getötet. Auch bei Högels Taten bestand die Motivation darin, die Patienten dann erfolgreich zu reanimieren. In den letzten Jahren häufen sich solche Fälle. Im Oktober 2020 hatte das Landgericht München einen Hilfspfleger wegen Mordes an 3 Patienten zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt, weil dieser seinen Patienten eine Überdosis Insulin gespritzt hatte. Schon im Jahr 2016 hatte es auch einen ähnlichen Fall im Klinikum rechts der Isar gegeben. Damals hatte eine Hebamme Frauen mit Kaiserschnitt-Geburten vor dem Eingriff Blutverdünner gegeben. Sie war vom Gericht wegen siebenfachem Mordversuch zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.