Die Schwester, Rachel Johnson, scheint die gute Fee der Familie zu sein. Sie ist eine angesehene Journalistin und Romanautorin - und als ihr großer Bruder einmal über Migranten herzog und behauptete, in manchen Gegenden Englands sei Englisch nicht mehr die erste Sprache, was die Waliser mächtig empörte, twitterte sie belustigt: "Wir haben zu Hause Altgriechisch gesprochen."
We spoke Ancient Greek at home I genuinely don’t know what he’s on about
— Rachel Johnson (@RachelSJohnson) July 6, 2019
Auch Bruder Leo Johnson hebt sich ab. Vor Jahren gab er bekannt: "Ich bin nicht blond. Ich bin kein Tory. Ich wurde ohne das Gen für Selbstdarstellung geboren." Leo moderiert eine bekannte Radiosendung und twitterte, als sich Boris über Burka-Trägerinnen lustig machte: "Es wäre gut, wenn diese Runde wetteifernder religiöser Intoleranz enden würde." Er ist mit einer Afghanin verheiratet.
Der "Sextator"Silence does not mean consent. Would be great if this round of competitive bigotry could end. @BorisJohnson @StanleyPJohnson
— Leo Johnson (@Mr_LeoJ) August 12, 2018
Ebenso berühmt wie seine blonde Sturmfrisur sind die Eskapaden von Boris Johnson. Die Briten gaben ihm deswegen den Spitznamen "Sextator", als er noch Herausgeber des "Spectator" war. Die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) schreibt über ihn: "Die Familie kam freilich immer zu kurz. Seine erste Frau lief ihm davon, als Johnson 25 Jahre alt war. Von ihr heißt es, dass sie einmal in der Redaktion des 'Daily Telegraph' anrufen musste, um in Erfahrung zu bringen, in welcher europäischen Hauptstadt sich Johnson gerade aufhielt."
Mit der zweiten Frau, der Rechtsanwältin Marina Wheeler (55), hat Johnson vier erwachsene Kinder. Sie hat ihm selbst seine zahlreichen Eskapaden, aus denen angeblich mindestens ein weiteres, uneheliches Kind hervorgegangen sein soll, verziehen. Erst als sie letztes Jahr von seiner Beziehung zu Carrie Symonds (31) erfuhr, einer PR-Spezialistin, kam es zur Trennung. Die Scheidung steht bevor, weil Johnson, wie die "NZZ" berichtet, "mit der um 23 Jahre jüngeren Freundin in die Amtswohnung des Premierministers an der Downing Street einziehen" möchte.
Es heißt auch, dass Symonds großen Einfluss auf Johnsons Verjüngungskur habe. Jedenfalls ist sein wirrer Schopf einer überwiegend ordentlichen Frisur gewichen, durch eine Diät und den Verzicht auf Alkohol soll er abgenommen haben.
"Geh verdammt noch mal von meinem Laptop weg!"Falls der "Bozzie Bear", wie sie ihn in besseren Tagen genannt haben soll, bei Carrie Symonds noch einen Stein im Brett hat. Am 25. Juni kam es im Haus des Paares zu einem Polizeieinsatz, weil ein besorgter Nachbar die Beamten um Hilfe gerufen hatte. Aus der Wohnung von Carrie Symonds, bei der Johnson eingezogen ist, habe er lauten Krach und Schreie gehört. Der gute Mann hat eine Tonaufnahme von dem Streit gemacht und sie dem "Guardian" zugespielt.
Es sei zu hören, so berichtet die Zeitung, wie Johnson sich weigere, das Apartment seiner Freundin zu verlassen, obwohl diese ihn mehrfach dazu aufgefordert habe. "Geh verdammt noch mal von meinem Laptop weg!", soll Symonds ihn anschreien. Danach soll ein Krachen zu hören sein, Symonds soll Johnson erneut anschreien, weil er Rotwein auf ihr Sofa verschüttet haben soll. "Dir ist alles egal, du bist so verwöhnt. Dich kümmert weder Geld noch sonst was! Raus hier! Verlass meine Wohnung!"
Boris Johnson soll in seiner Nachbarschaft nicht sonderlich beliebt sein. Anwohner des Londoner Stadtteils Camberwell sollen unter anderem auch gegenüber von Johnsons neuer Bleibe Poster plakatiert haben, auf denen unter seinem Bild, umrahmt von Europa-Sternen, in Blockbuchstaben steht: "Wir würden ihn eher als unseren Nachbarn ertragen als als unseren Premier." So wie es aussieht, zieht Boris Johnson bald um - in die 10 Downing Street.