Allerdings gibt es auch Experten, die den verhängten Impfstopp kritisieren, so wie der britische Statistikprofessor David Wirhalter.
"Angesichts von Ungewissheit ist es gut, vorsichtig zu sein. Aber in den derzeitigen Umständen mit steigenden Fallzahlen in Deutschland dürfte die Vorsicht es gebieten, schnellstmöglich so viele Menschen wie möglich zu impfen", erklärte der Wissenschaftler von der Universität Cambridge gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Zudem dürfte die Maßnahme einen Vertrauensverlust in der Bevölkerung in den Impfstoff auslösen. In klinischen Studien in Großbritannien hatte sich gezeigt, dass der Impfstoff "außerordentlich sicher" sei. "Wenn das eine Verzögerung in der Verabreichung der Impfstoffe an Menschen bedeutet, die andernfalls eine Impfung bekommen hätten, dann wird das Schaden anrichten", glaubt Wirhalter. Eine Einschätzung, die auch Christoph Spinner, der Pandemiebeauftragte des Klinikums der technischen Universität München, teilt. Auch er sieht die Aussetzung der Impfungen kritisch.
Zwar plädierte auch Spinner dafür, dass die Sicherheit der geimpften Personen an erster Stelle stehen müsse. Ob man die Impfungen aber wegen einiger weniger Fälle hätte ausetze müssen, sieht der Mediziner kritisch. "Der Astrazeneca ist der zweitwichtigste Impfstoff für uns." Die bestätigten Komplikationen von 7 Fällen bei 1,6 Millionen Impfungen in Deutschland sei außerordentlich gering. "Die Ereignisse sind sehr selten. Wir impfen derzeit prioritär Menschen mit Vorerkrankungen", stellt Spinner klar. Aus seiner Sicht hätten diese Patienten schon von vornherein ein gesteigertes Thromboembolie-Risiko. "Die Vorteile der Impfung überwiegen", ist der Mediziner sicher. "Übrigens verursacht auch eine schwere Covid-19-Erkrankung regelhaft thromboembolische Ereignisse – alleine deshalb ist eine Impfung absolut sinnvoll", nennt Spinner einen weiteren Grund zur Fortsetzung der Impfungen. "Das Arzneimittel ist nach allem, was wir heute wissen, sicher", schließt Spinner seine Einschätzung der Lage ab und weißt ebenfalls auf die Gefahr des Vertrauensverlusts in der Bevölkerung hin.