Kritiker sehen in dem Vorgehen der US-Regierung allerdings eine mögliche Beeinflussung der US-Wahlen, die am 3. November stattfinden werden. Nach Ansicht der Experten könne die Verfügbarkeit des Impfstoffes sowohl das gesellschaftliche als auch das politische Klima beeinflussen. Allerdings hat das C.D.C. in seinen Schreiben nicht nur darauf hingewiesen, dass "bis Anfang November 2020 begrenzte Covid-19-Impfstoffdosen verfügbar sein könnten“, sondern betonte gleichzeitig auch, dass diese Pläne im Augenblick noch rein hypothetisch seien. Der Direktor der Behörde, der Virologe
Robert Redfield (69), hielt die Bundesstaaten dazu an, sich für den Bau von speziellen Impf-Standorten vorzubereiten. In den fünf Großstädten New York, Chicago, Philadelphia, Houston und San Antonio sollen riesige Impf-Zentren entstehen. Gleichzeitig forderte Redfield die Bundesstaaten auf sämtliche bürokratischen Hindernisse zu vermeiden. Alle Standorte sollen spätestens bis zum 1. November 2020 "voll funktionsfähig" sein, forderte Redfield.
Für die Erforschung der Impfstoffe hatte US-Präsident Trump den Ausdruck "Operation Warp Speed“ benutzt. Dieser aus dem Science-Fiction-Bereich stammende Begrif beschreibt eine extrem hohe Geschwindigkeit. Mehrere Impfstoffe befinden sich bereits in der letzten Phase der klinischen Studien. Dazu zählen unter anderem Impfstoffe der US-Pharmaunternehmen Moderna und Pfizer (in Zusammenarbeit mit dem Mainzer Unternehmen Biontech), sowie der Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns AstraZeneca (in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford). Das Weiße Haus hat ebenso wie die EU schon Verträge mit den potenziellen Herstellern abgeschlossen. Sobald der Impfstoff zugelassen ist, sollte also die Auslieferung beginnen.