Im Kino läuft der Antikriegsfilm "Im Westen nichts Neues" an, der Zwergplanet Pluto wird entdeckt und in San Francisco, Kalifornien, kommt ein Junge namens Clinton "Clint" Eastwood Jr. auf die Welt. Als der Sohn eines Buchhalters im Jahr 1930 am 31. Mai geboren wird, hätte wohl niemand für möglich gehalten, was für eine wortkarge Weltkarriere dem kleinen Wonneproppen beschienen sein würde - geschweige denn, dass er ihr auch mit nunmehr 90 Lenzen so inbrünstig wie eh und je nachgeht. Doch wer so lange lebt und schafft, bleibt nicht frei von Kontroversen.
Clint hält sich als Schwimmlehrer im Krieg über WasserEinen Namen mag sich Eastwood als unverschämt cooler Cowboy oder knüppelharter Cop auf der Leinwand gemacht haben. Als Kind galt er hingegen eher als introvertiert, gar schüchtern. Ihren Teil dazu beigetragen haben dürfte die Tatsache, dass er wegen der häufigen Umzüge seiner Eltern während der Depressionszeit immer "der Neue" an der Schule war. Von sonderlichem Erfolg war Eastwoods Schullaufbahn jedenfalls nicht gekrönt und so arbeitete er als junger Mann schließlich mal als Supermarktangestellter, Lagerarbeiter oder - obwohl als Soldat für den Koreakrieg eingezogen -, als Bademeister im Militärstützpunkt Fort Ord in Kalifornien.
Statt im Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West im koreanischen Dschungel zu liegen, war Eastwood das Glück beschienen, seine US-Heimat nicht verlassen zu müssen. Mehr noch: Laut seiner offiziellen Biografie lernte er in Fort Ord sogar noch jemanden namens Chuck Hill kennen, der ihm die Tür nach Hollywood aufstieß. Dort legte man ihm aber umgehend Schauspielunterricht nahe, weil er die Angewohnheit hatte, seine Zeilen mit zusammengebissenen Zähnen darzubieten - quasi bis heute das Markenzeichen des Kult-Knurrers.
Einmal Spagetti-Western, bitte!Unzählige kleine und zuweilen undankbare Rollen später war es das Jahr 1958, das Eastwoods Karriere endlich die nötige Traktion geben sollte. Er ergatterte eine der Hauptrollen in der Westernserie "Tausend Meilen Staub" (1959-1966, Originaltitel: "Rawhide"), der er als rechtschaffener Heißsporn Rowdy Yates bis zu deren Absetzung nach acht Staffeln die Treue hielt. Den Cowboyhut sollte er jedoch nicht mehr so schnell loswerden...
Ende 1963 nahm er die Rolle des "Mann ohne Namen" im Film eines unbekannten italienischen Regisseurs an - Sergio Leone (1929-1989). Mit "Für eine Handvoll Dollar" hatte Eastwood endlich den langersehnten Transfer vom langweiligen Helden hin zum Antihelden gemacht: "Bei 'Rawhide' wurde ich der Rolle des typischen Strahlemanns, der alten Frauen und Hunden ein Küsschen gibt und nett zu allen ist, so überdrüssig", wird er im Buch "Aim for the Heart: The Films of Clint Eastwood" zitiert. Über zu nette Rollen musste er sich in Italo-Streifen wie "Für ein paar Dollar mehr" (1965), "Zwei glorreiche Halunken" (1966) oder US-Western der Marke "Hängt ihn höher" (1968) und "Ein Fressen für die Geier" (1969) jedenfalls nicht sorgen.
Dirty Harry und ein Regie-DebütDer Anfang der 70er Jahre stellt für Eastwood in doppelter Hinsicht eine wichtige Phase seines Schaffens dar. Zum einen machte er sich 1971 erstmals mit einer anderen Paraderolle abseits des Cowboys einen Namen - mit der des beinharten Polizisten Harry "Dirty Harry" Callahan, der in insgesamt fünf Teilen von Verbrechern gerne einen Grund serviert bekommt, um sie abservieren zu können: "Na komm' schon, make my day!"