Jedoch ließen beim Gipfel in Paris keine dieser Länder erkennen, dass sie eine Truppenentsendung befürworten. Zwei mit entsprechenden Gedankenspielen vertraute Beamte aus mitteleuropäischen Ländern äußerten Skepsis gegenüber BILD, dass eine Entsendung westlicher Truppen für die Ukraine realistisch sei. Die Befürchtung vor einer direkten militärischen Konfrontation mit Russland sei zu groß, ebenso wie die begrenzten eigenen militärischen Ressourcen. Die Debatte auf dem Gipfel wurde kurzzeitig erhitzt, insbesondere durch Äußerungen von Robert Fico, dem pro-russischen Ministerpräsidenten der Slowakei. Ursprünglich plante Frankreich, das Thema einer hypothetischen Truppenentsendung zu diskutieren, jedoch sollte es bei der geplanten Diskussion in Paris lediglich um grundsätzliche Fragen wie die rechtlichen Voraussetzungen einer Verlegung von Soldaten in die Ukraine gehen. Fico nutzte das Thema jedoch, um sich zu profilieren, und erklärte dramatisch, sein Land werde niemals Krieg gegen Russland führen, was die Debatte ins Rollen brachte.
Hauptthemen der Diskussion auf dem Pariser Gipfel waren die Versorgung der Ukraine mit 155-mm-Artillerie-Munition mit einer Reichweite von über 20 Kilometern und die Luftverteidigung. Neu ist, dass es mittlerweile Bereitschaft bei den EU-Ländern gibt, Munition auch außerhalb Europas einzukaufen. Dies stieß bisher auf Widerstand, unter anderem aus Frankreich. Kanzler Scholz betonte, dass es nun endlich die Bereitschaft gebe, auch außerhalb Europas mit europäischen Mitteln einzukaufen, um die Unterstützung für die Ukraine zu ermöglichen. Die Äußerungen Macrons und die Diskussionen über eine mögliche Truppenentsendung sorgten im Kanzleramt für Hektik, wie deutlich wurde, als Scholz einen Wohnungsbau-Termin in Freiburg nutzte, um klarzustellen, dass es keine Bodentruppen oder Soldaten auf ukrainischem Boden geben werde.