Solche Warnungen lösen Sorgen aus. Sollten die Deutschen Angst vor einem Krieg zwischen Russland und der NATO haben? Die Menschen sollten Druck auf die Politik ausüben, damit die Bundeswehr bestmöglich gestärkt wird und sie dann möglichst wenig Angst haben müssen. Putin behauptet, kein Interesse an einem Krieg mit der NATO zu haben. Gleichzeitig erklärt Moskau, dass die deutsche NATO-Brigade in Litauen eine "Eskalation" wahrscheinlicher mache, und Medwedew droht regelmäßig mit Atomschlägen. Könnten diese doppelten Botschaften nur ein Geplänkel sein, um die Ziele in der Ukraine zu erreichen? Nein. Die Planungen in Russland gehen über die Ukraine hinaus. Der erste Schritt besteht darin, die Ukraine zu erobern. Die Russen wissen, dass dies dauern kann, da der ursprüngliche Plan, Kyjiw mit einem Enthauptungsschlag zu treffen, nicht aufgegangen ist. Jetzt müssen sie warten, bis sie einen Vorteil in Bezug auf Rüstung und Personal haben.
Was kommt nach Wladimir Putin? Wladimir Putin ist nicht mehr der Jüngste. Ist sein Plan nur sein eigener oder der Plan Russlands? Das ist Putins Plan für Russland, der auch nach Putin fortgeführt wird.
Europa bleibt im Grunde also nichts anderes übrig, als sich angesichts dieser Gefahr zu rüsten? Und das nicht nur kurzfristig, sondern für die nächsten Jahrzehnte. Diese prägende Auseinandersetzung zwischen zwei Ordnungsmodellen wird andauern, solange in Russland dieses Regime herrscht. Und es ist nicht absehbar, wie dieses zusammenbrechen könnte. Die "Zeitenwende" bei der Bundeswehr scheint nur langsam Fahrt aufzunehmen. Ist die Unterstützung der Ukraine kurzfristig alles, was Deutschland und Europa tun können?
Das ist sicherlich ein wichtiger Schritt, um Russland einzudämmen. Wenn Russland an der Ukraine scheitert – und das tut es derzeit, da es seine Kriegsziele nicht erreicht –, dann hat dies eine abschreckende Wirkung. Wenn Russland jedoch seine Ziele in der Ukraine erreicht, erhält der Kreml das, was er mit dem Angriff beabsichtigt hat: 36 Millionen mehr Menschen, mehr volkswirtschaftliches Vermögen und mehr Raum in Europa. Das war der Plan.