Michael Patrick Kelly: "Sing meinen Song" kommt "zur richtigen Zeit"

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Michael Patrick Kelly: "Sing meinen Song" kommt "zur richtigen Zeit"

Stars (2 / 1) 05.05.2021 23:33 / Torben Symbolbild TVNOW / Markus Hertrich


Kelly: MoTrip hat uns alle überrascht. Man denkt oft, dass Rapper böse Kerle sind, die nur über Autos und Geld rappen. Mo war der höflichste von allen. Er hat von der Putzfrau bis zum obersten Chef immer allen die Hand gegeben und sich ständig bedankt. Das war so schön zu sehen, dass er ganz eigene Werte vertritt, die man nicht vom Gangsterrap-Klischee her kennt.

Kannten Sie einen der Kollegen bereits vorher?

Kelly: Nico, Max und Ilse bin ich schon vorher begegnet. LEA kannte ich zum Beispiel nur durch ihre Musik. Eine ganze tolle Künstlerin. Bei ihr finde ich cool, dass sie die Musik in den Vordergrund setzt, und sich nicht von einem "Sex sells"-Druck der Musikindustrie auf weibliche Künstler beeinflussen lässt. Sie setzt sich schlichtweg ans Klavier und hat damit großen Erfolg. Ich glaube, sie ist für viele weibliche Künstler ein Vorbild.

Inwiefern hatte die Coronavirus-Pandemie auf die "Sing meinen Song"-Produktion eine Auswirkung?

Kelly: In der WhatsApp-Gruppe haben wir uns erst kürzlich darüber ausgetauscht, dass ein, zwei Wochen später "Sing meinen Song" nicht hätte stattfinden können. Da hätten wir nicht auf so einer engen Couch zusammensitzen oder uns nach den Songs umarmen können. Nachdem ich meine Single "Beautiful Madness" performt habe, sind alle wie beim American Football auf mich drauf gesprungen. So etwas wäre aktuell nicht mehr möglich. Ich bin nach der Aufzeichnung noch zwei Wochen in Südafrika geblieben, unter anderem für ein Charity-Projekt. Zu dem Zeitpunkt waren knapp hundert Infizierte im Land, trotzdem wurden bereits Flüge storniert und ich habe nur mit Glück noch einen erwischt. Am Flughafen wollte der Zollbeamte meinen Meldeschein sehen, weil ich einen irischen Pass habe. Den hatte ich zum Glück digital griffbereit.

Wie wirkt sich derzeit die Coronavirus-Lage auf Sie als Künstler und als Privatperson aus?

Kelly: Ich bin in Gedanken oft bei den Infizierten, die ohne ihre Angehörigen sterben müssen, und bei den Helfern, die dafür sorgen, dass alles am Laufen gehalten wird. Was die Musik betrifft, wird es nach der Quarantäne einen Boom geben, weil viele Musiker jetzt zu Hause sind und Songs schreiben. Ich persönlich bin froh, dass ich so viel zu Hause und in meinem Garten sein kann, weil ich die letzten Jahre sehr viel unterwegs war. Ich habe in meinem Leben oft große Veränderungen erlebt, so dass ich auch mit radikalen Umstellungen ganz gut umgehen kann.

Wo rührt das her?

Kelly: Der Schritt ins Kloster bedeutete für mich auch von heute auf morgen: keine Gitarre, keine Konzerte, keine Kreditkarte, keinen Partner und keine Familie mehr - stattdessen Stille, Gebet und Kartoffel schälen. Nach sechs Jahren hat man sich an das Leben gewöhnt und es folgte die Rückkehr ins weltliche Leben. Ich bin ein Lebenskünstler und gucke immer, wie man das Beste aus einer Situation machen kann.