Ihr Studium der Sprachwissenschaften am Auslands- und Dolmetscherinstitut der Uni Mainz musste sie nach dem Tod ihres Vaters aus finanziellen Gründen aufgeben. Danach arbeitete sie bei einem Verlag in Stuttgart, anschließend als kaufmännische Angestellte bei der BASF in Ludwigshafen. Nach ihrer Heirat und der Geburt der beiden Söhne kümmerte sie sich ausschließlich um den Haushalt der Familie Kohl. Dass sie sich weitgehend bedingungslos in den Dienst ihres prominenten Mannes gestellt hat, sah sie so: "Mein Weg ist der Weg der Wegbegleitung."
Jahre des SpottsEs war ein harter Weg. Hannelore Kohl wurde in den 70er- und 80er-Jahren zur Zielscheibe der Verachtung des linksliberalen Milieus. Während ihr Mann als "Birne" und politischer Provinz-Depp verhöhnt wurde, verspottete man seine Frau - ohne sie überhaupt zu kennen - als "Barbie aus der Pfalz" und "blondes Dummchen". Und für ihre Kinder, so erzählen es Peter und Walter Kohl im Film, sei der Schulbesuch ein Spießrutenlauf gewesen, sogar die Aufnahme in den Sportverein habe man ihnen verwehrt.
Die Terroranschläge der RAF machten das Leben von Hannelore Kohl unerträglich. Ihr Mann war besonders gefährdet, das Kohl-Haus in Oggersheim wurde wie ein Bunker ausgebaut. In diesem Verlies mussten Ehefrau und Kinder leben, während Kohl nur an den Wochenenden (mit seiner zusätzlichen Polizeieskorte) nach Hause kam.
Hannelore Kohl litt zudem seit Jahrzehnten unter einer Penicillin-Allergie. Als sie 1993 nach einer Infektion aus Versehen ein Penicillin-ähnliches Antibiotikum erhalten hatte, war das augenscheinlich der Auslöser für eine Lichtallergie. Sie konnte das tagsüber strikt abgedunkelte Haus nur nach Sonnenuntergang verlassen - und keine Wärme mehr vertragen.
Ein Leben abseits des Lichts"Ich verbrenne von innen", soll sie einer Freundin gesagt haben. Das Haus wurde von Klimaanlagen strikt runtergekühlt, so dass Helmut Kohl in eine Kältekammer kam, wenn er an den Wochenenden bei der Familie war. Der Vater sei mit dieser Situation völlig überfordert gewesen, berichten die Söhne.
In dieser Situation, die überdies von der CDU-Spendenaffäre überschattet und bei der Hannelore Kohl laut ihres Sohnes Walter als "Spendenhure" beschimpft wurde, muss der Entschluss zum Selbstmord seit längerem gereift sein.
Sie schrieb über ein Dutzend Abschiedsbriefe an die Familie und Freunde und wurde am nächsten Vormittag von ihrer Haushälterin tot im Schlafzimmer aufgefunden. An der Tür hing ihr Zettel: "Ich schlafe und will später spazieren gehen."
Den Abschiedsbrief an ihren Mann hat sie mit "Dein Schlänglein" unterzeichnet. Eine gemalte Schlangenlinie als letztes Wort von Hannelore Kohl.