Moskau (Russland) - Der Schmerz von Vera Pechtelewas Eltern ist für Außenstehende kaum vorstellbar. Vor knapp vier Jahren wurde ihre damals 23 Jahre alte Tochter von ihrem Ex-Partner brutal misshandelt, vergewaltigt und schließlich getötet. Dank eines Dekrets von Wladimir Putin ist Veras Mörder bereits wieder ein freier Mann - und kämpft in der Ukraine!
Für die Tat wurde der Mann aus der sibirischen Stadt Kemerowo zu 17 Jahren Straflager verurteilt - doch da sitzt er längst nicht mehr. Anfang November nämlich wurde bekannt: Veras Mörder ist bereits vor Monaten begnadigt worden, damit er als Soldat in Russlands Krieg gegen die Ukraine ziehen kann. Besiegelt wurde seine Haftentlassung durch ein Dekret von Kremlchef Wladimir Putin (71) höchstpersönlich.
Die Schmerzensgeld-Zahlungen des Mörders an Veras Familie sollten für die Dauer seines Kampfeinsatzes ausgesetzt werden. "Wir waren schockiert. Wie kann so etwas sein?" fragte Veras Mutter Oxana Pechtelewa damals in einem Interview des unabhängigen Portals Bereg. "Und ich bin nicht alleine. Glauben Sie mir, es gibt mindestens Hunderte solcher Mütter", fügte sie hinzu. Unterstützung erhielt sie von der bekannten Frauenrechtlerin Aljona Popowa. "Was ist zu tun?", fragte sie auf ihrem Telegram-Kanal - und gab die Antwort selbst: "Nicht schweigen! Wenn wir schweigen, akzeptieren wir einfach, dass solche Mörder auf unseren Straßen herumlaufen."
Das Verbrechen an Vera Pechtelewa, die vor ihrem Tod stundenlang vergeblich um Hilfe schrie, hatte 2020 Menschen im ganzen Land schockiert - und entsprechend groß ist nun die Aufregung über die Freilassung ihres Peinigers. Ein Einzelfall aber ist das nicht. Seit fast zwei Jahren führt Russland einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine. Die Kämpfe sind auf beiden Seiten äußerst verlustreich, alleine in der russischen Armee sollen NATO-Schätzungen zufolge schon mehr als 300.000 Soldaten getötet oder verletzt worden sein.