Seitdem wird weiterhin nach dem Arzt gefahndet, und es ist unklar, ob der geplatzte Prozess nachgeholt werden kann. Dem Mediziner wird vorgeworfen, in seiner Praxis im schwäbischen Wemding im Jahr 2021 bei 176 Patienten Scheinimpfungen vorgenommen zu haben. Dabei soll der Mann den Impfstoff entsorgt und den Patienten leere Spritzen verabreicht haben, ohne dass diese es bemerkten. Die Staatsanwaltschaft geht von 314 manipulierten Erst- und Zweitimpfungen aus. Zusätzlich soll der Hausarzt bei impfkritischen Bürgern als Anlaufstelle für Bescheinigungen ohne echte Impfung bekannt gewesen sein. In mindestens 49 Fällen soll er solche nicht durchgeführten Impfungen bescheinigt haben, die als "Schonimpfungen" bekannt waren. Es gab eine beträchtliche Anzahl von Patienten, die diese Scheinimpfungen bewusst in Anspruch nahmen.
Während der Ermittlungen gegen den Hausarzt liefen auch zahlreiche Strafverfahren gegen die betroffenen Patienten, die sich am Amtsgericht in Nördlingen verantworten mussten. Vor dem Hauptverfahren am Landgericht Augsburg wurden bereits etwa 80 Verfahren mit etwa 100 Angeklagten verhandelt. In den meisten Fällen endeten die Verhandlungen mit Geldstrafen für die Patienten. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurde gegen den Hausarzt ein vorläufiges Berufsverbot verhängt. Im möglicherweise doch noch stattfindenden Prozess am Landgericht wird auch geprüft werden, ob das Berufsverbot dauerhaft angeordnet wird. Der 74-Jährige ist wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Betrugs und wissentlich unrichtiger Dokumentation von Schutzimpfungen gegen das Coronavirus angeklagt.