Skandale und Stars: Prominente als Werbegesichter für illegale Online-Casinos

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Cristiano Ronaldo, Rafael Nadal, Zlatan Ibrahimovic, Paris Hilton und Brad Pitt: Sie alle haben im Laufe ihrer Karriere für Sportwetten oder Glücksspiele geworben. Dagegen ist grundsätzlich auch nichts einzuwenden, solange es sich dabei um Anbieter handelt, die sich an die gesetzlichen Vorschriften im jeweiligen Land halten. Zum Problem wird die Angelegenheit jedoch dann, wenn es sich dabei um illegales Glücksspiel handelt, wie das beispielsweise bei It-Girl Laura Müller oder YouTuber und Streamer Ron Bielecki vermutlich der Fall war.

Illegale Online-Casino-Werbung: Was ist das Hauptproblem?

Bekannte Stars wie Cristiano Ronaldo und Paris Hilton, die als Gesichter von Online-Casinos auftreten, verleihen der Glücksspielbranche zweifellos einen Hauch von Glamour. Doch hinter den Kulissen verbirgt sich eine bedenkliche Realität: Der Anstieg der illegalen Online-Casino-Werbung mit bekannten Gesichtern. Das Hauptproblem dabei liegt in der mangelnden Einhaltung gesetzlicher Vorschriften.

Eine Studie zur Untersuchung deutscher Werbung für Online-Glücksspielangebote eines renommierten iGaming-Portals aus der DACH-Region zeigt: 76 % der Affiliate-Werbung für Online-Casinos ist illegal. Und in manchen Fällen taucht dabei auch das Gesicht des einen oder anderen Stars oder Sternchen auf, um den illegalen Online-Casinos etwas mehr Glanz zu verleihen.

Laura Müller warb zu Weihnachten 2022 für Anbieter ohne deutsche Lizenz

Ein bekanntes Beispiel für illegale Glücksspielwerbung ist das It-Girl und Influencerin Laura Müller. Sie hat vor einiger Zeit einen Kooperationspartner gewonnen, für den sie auf ihrem Instagram-Kanal die Werbetrommel rührte.

Das einzige Problem dabei: Dem Glücksspielanbieter fehlt die Berechtigung der deutschen Glücksspielbehörden, um seine Dienstleistungen hierzulande überhaupt anbieten zu dürfen. Die Verbraucherzentrale sprach gegen das Vorgehen solcher Anbieter bereits eine deutliche Warnung aus. Laut deren Experten handelt es sich dabei um sogenannte „schwarze Lotterien“.

Wer den Worten von Laura Müller Glauben schenkt, könnte meinen, er nimmt an der staatlichen spanischen Weihnachtslotterie „El Gordo“ teil, indem er sich dafür ein entsprechendes Los über den Anbieter Lottoland erwirbt. Die Verbraucherzentrale macht jedoch darauf aufmerksam, dass die Käufer eines solchen Loses gar nicht tatsächlich an der Verlosung teilnehmen, sondern lediglich auf den Ausgang der Lottozahlen wetten. Es gibt in diesem Fall also keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Auszahlung des Betrages im Gewinnfall.

Zudem müssen die Teilnehmer bei Lottoland auch noch sensible Daten bekanntgeben und Laura Müller ermunterte ihre Follower sogar noch dazu. Tatsächlich gehört Lottoland neben Multilotto und Lottohelden jedoch zu einem jener drei „schwarzen Lotterien“, vor dem die Verbraucherzentrale ausdrücklich warnt.

Wer sichergehen möchte, dass es sich bei einem der beworbenen Anbieter um kein illegales Online-Casino handelt, sollte regelmäßig die entsprechende Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder downloaden und checken. Denn dort werden alle Sportwetten-Anbieter und Online-Casinos gelistet, die im Besitz einer gültigen deutschen Lizenz sind.

Ron Bielecki: 480.000 Euro Geldstrafe stehen im Raum

Wer den YouTuber und Streamer schon einmal gesehen hat, der weiß, dass er gerne mit seinen Einkünften prahlt. Dank Sponsoren aus dem Glücksspiel-Bereich hat er es in den letzten Jahren laut Eigenauskunft zu einem ansehnlichen Vermögen gebracht.

Die Staatsanwaltschaft fand das jedoch nicht ganz so unterhaltend wie seine zahlreichen Follower. Sie stellt für die Bewerbung für illegale Glücksspiele auf Twitch eine Forderung von insgesamt 480.000 Euro an Ron Bielecki. Nach den Angaben der Staatsanwaltschaft wurde die Strafe vom Gericht auf 120 Tagessätze zu je 4.000 Euro festgesetzt. Die Grundlage für die Berechnung des Tagessatzes bildeten dabei die Aussagen des YouTubers bezüglich seines Einkommens in seinen eigenen Videos.

Die Ermittler werfen dem Provokateur vor, er habe insgesamt 51-mal an illegalen Glücksspielen teilgenommen. In 37 Fällen hat er dabei auch Werbung auf den von ihm betriebenen Kanälen auf Twitch gemacht.

In solchen Fällen geht es jedoch nicht immer „nur“ um Geld. Das Werben für illegale Glücksspiel-Anbieter, die ihr Business in Deutschland ohne Lizenz betreiben, kann laut dem Strafgesetzbuch sogar eine Haftstrafte von bis zu einem Jahr nach sich ziehen.

Bieleckis Prozess scheiterte jedoch im September 2023 im ersten Anlauf. Der Richter entschied für eine Aussetzung der Hauptverhandlung, weil aus seiner Sicht dafür noch weitere Ermittlungen und Zeugen erforderlich waren.

Werbung für Online-Casinos ist in Deutschland stark reglementiert

Was im Zusammenhang mit Werbung für Online-Casinos in Deutschland erlaubt ist, regelt seit dem Jahr 2021 der neue deutsche Glücksspiel-Staatsvertrag. Ein explizites Werbeverbot für Stars und Sternchen ist darin allerdings nicht vorgesehen, solange es sich dabei um einen Anbieter mit gültiger deutscher Lizenz handelt.

Allerdings herrscht in der Zeit zwischen 6 und 21 Uhr ein absolutes Werbeverbot auf den Fernsehbildschirmen. Grundsätzlich gilt diese Regelung auch für das Ausspielen von Werbebannern im Internet und anderen Werbeflächen. Doch hier ist die Einhaltung der Bestimmungen für die Gesetzeshüter nicht immer leicht zu kontrollieren.

Ebenfalls stark geregelt ist die Art und Weise, was in der Werbung kommuniziert werden darf. Die Glücksspielbehörde verbietet beispielsweise den Einsatz verführerischer Werbemaßnahmen. Anders ausgedrückt: Den Zuschauern darf nicht vermittelt werden, dass sie durch Glücksspiel ganz einfach zu Reichtum gelangen können.

Auftrittsverbot von VIPs in UK-Werbung

Ein Blick in andere Länder zeigt, dass hier die Werbung mit Promis wesentlich strenger beäugt wird. Seit Oktober 2022 ist es für in der Öffentlichkeit stehende Personen in Großbritannien nicht mehr erlaubt, für Online-Casinos, Sportwetten und andere Glücksspiele zu werben.

Das Argument dafür lautete, dass vor allem Kinder und suchtgefährdete Personen eher dazu animiert werden, mit Glücksspielen und Sportwetten zu beginnen, wenn sie ihre Lieblingsstars in der Werbung sehen.

Die Initialzündung für das Gesetz lieferte dabei der ehemalige Kicker des FC Arsenal Paul Merson. In einer öffentlichen Diskussion meinte er, dass seine reichen Kollegen diese Werbedeals überhaupt nicht nötig haben. Ihn störte, dass die Promis vorher dafür geworben haben, die Menschen zu Sport und zu Bewegung zu animieren und nun nur noch für Glücksspiele werben.

Auch in der kanadischen Provinz Ontario tritt nächstes Jahr ein entsprechendes Werbeverbot in Kraft. Die Glücksspielbehörde „Alcohol and Gaming Commission of Ontario“ (AGCO) gab an, dass ab 28. Februar 2024 bekannte Persönlichkeiten nicht mehr für die Bewerbung von Online-Sportwettenanbietern und anderen Glücksspielen eingesetzt werden dürfen.

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