Inzwischen rüstet Russland massiv auf, trainiert sein Militär im Ukraine-Krieg und könnte bald in der Lage sein, "eine beeindruckende Armee aufzustellen, die eine Bedrohung für Europa darstellen könnte", warnt Experte Malcolm Chalmers vom Royal United Services Institute. Ein zentrales Problem besteht darin, dass sich die NATO-Mitglieder 2014 darauf einigten, innerhalb eines Jahrzehnts zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für die Verteidigung auszugeben. In diesem Jahr werden laut Angaben voraussichtlich nur 11 der 31 Nato-Mitglieder dieses Ziel erreichen. Das Ergebnis: Die westlichen Armeen sind nicht bereit für einen Krieg, während Putin aggressiv aufrüstet und mehr Geld in sein Militär und die Rüstungsindustrie investiert.
Deutschland hatte am Ende des Kalten Krieges 500.000 Soldaten, heute sind es nur rund 180.000 einsatzfähige Soldaten. Die Bundeswehr verfügt laut dem WSJ-Bericht nur über 200 einsatzfähige Kampfpanzer, und nur etwa die Hälfte davon ist wirklich einsatzfähig. Die deutsche Armee hat laut dem Bericht nur genug Munition für zwei Tage Kampf. Großbritannien, eine Atommacht und der größte Verteidigungsinvestor Europas, verfügt nur über etwa 150 einsatzfähige Panzer und etwa ein Dutzend einsatzbereite Artilleriegeschütze. Frankreich, ebenfalls eine Atommacht, hat weniger als 90 schwere Artilleriegeschütze. Dänemark verfügt weder über schwere Artillerie noch über U-Boote oder Luftabwehrsysteme.
Die Niederlande haben ihre letzte Panzereinheit 2011 aufgelöst und die verbliebenen Panzer in die deutsche Armee integriert. Nur Polen, Finnland und die baltischen Staaten treiben den Ausbau ihrer Streitkräfte deutlich voran, wobei Polen bis zum nächsten Jahr mehr als vier Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung für die Verteidigung ausgeben möchte. Dies könnte Polen in absehbarer Zeit zu einer der stärksten konventionellen Streitkräfte in Europa machen.