Ohne Gnade legt die Corona-Pandemie dieser Tage den Finger in die Wunde all der Versäumnisse, die in Deutschland und weltweit jahrelang ignoriert wurden. Wenn nicht jetzt eine Modernisierung des Krankenhaus-Equipments und bessere Bezahlung für Pflegekräfte vorangetrieben wird, wann dann? Eine perfekte Welt wird es nie geben, davon zu träumen wäre naiv. Nichtsdestotrotz dürfte selbst den engstirnigsten Entscheidungsträgern dieser Welt die Frage durch den Kopf schwirren, ob in Zukunft die ein oder andere Milliarde nicht besser im Gesundheits- denn im Rüstungswesen angelegt ist. Das wäre doch mal einen Tweet wert, Mr. President.
In einem weiteren Punkt muss Deutschland massiv vor der eigenen Haustüre kehren. Denn die Bundesrepublik wird gerne und nicht zu Unrecht als digitales Entwicklungsland bezeichnet. Dass die Wirtschaft dieser Tage aber nicht noch mehr leidet, als ohnehin der Fall ist, verdankt sie auch der Möglichkeit vieler Berufstätiger, aus dem Homeoffice zu arbeiten. Nur funktioniert das bei einigen - etwa auf dem Land lebenden - Menschen mehr schlecht als recht. Hier muss der oft propagierte, flächendeckende Ausbau spätestens als Folge der Corona-Krise endlich vorangetrieben werden.
Bezüglich Homeoffice: Hier könnten sich für einige Arbeitnehmer künftig flexiblere Möglichkeiten ergeben. Denn viele Unternehmen, die sich vor der Corona-Pandemie noch vor vermeintlich faulenzende Angestellte in den eigenen vier Wänden gefürchtet und folglich Homeoffice-Verbot ausgesprochen haben, merken inzwischen: das funktioniert ja! Auch wenn in unmittelbarer Zeit nach Corona wohl die meisten Leute dankbar darüber sein werden, wieder ins Büro und in sozialen Kontakt mit den Kollegen treten zu können.
König Fußball muss auch sparenDer letzte Punkt ist im Vergleich zu den anderen zwar nicht ganz so wichtig. Bekanntlich wohnen in Deutschland aber 82 Millionen Bundestrainer, die die Entwicklung der schönsten Nebensache der Welt in den kommenden Monaten interessiert beobachten werden. Die Corona-Krise ist für viele Teams aber eine immense Gefahr, nicht wenigen droht die Insolvenz, sollte nicht bald wieder der Spielbetrieb aufgenommen werden können.
Ein positiver Aspekt wird sein, dass die Ablösesummen, die in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert sind, vorerst der Vergangenheit angehören dürften. Exorbitante Beträge jenseits der 100 Millionen Euro kann und wird erst einmal kein Club mehr auf den Tisch legen, was dem Fußball im besten Fall die verlorengegangene Bodenhaftung zurückgibt. Und mit der kickt es sich am besten.