Mit einer unschuldigen Miene sitzt Bilal A. (19) auf der Anklagebank des Landgerichts Erfurt und beteuert: „Der Sex war einvernehmlich. Sie hat gesagt, dass sie Kinder von mir möchte. Ich schwöre, dass ich niemandem wehgetan habe.“ Doch das Mädchen, um das es hier geht, war gerade einmal zwölf Jahre alt. Der Richter schenkt dem Angeklagten keinen Glauben. Hat er auch im Flüchtlingsheim eine Frau vergewaltigt?
„Wenn das stimmt, was Sie sagen, dann hätten zwei Frauen, die sich nicht kennen, völlig unabhängig voneinander Falschaussagen bei der Polizei gemacht. Warum sollten sie das alles erfinden?“, fragt der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte, ein Flüchtling aus Syrien der vor zwei Jahren nach Deutschland kam, sieht sich schweren Vorwürfen der Staatsanwaltschaft ausgesetzt. Darunter fallen unter anderem schwerer sexueller Kindesmissbrauch, Raub, Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Sollte er schuldig befunden werden, drohen ihm mindestens fünf Jahre Haft.