Im Osten versuchte sie, entlang der Straße T0518 in Richtung der einstigen Metropole Mariupol im Süden vorzustoßen. Jedoch verlief diese Gegenoffensive anders als erwartet. Schon nach drei Wochen kam der Vormarsch der Ukraine auf Melitopol ins Stocken. Lediglich zwei Dörfer konnten befreit werden, und danach stieß die ukrainische Armee auf starken russischen Widerstand. Seit dem 20. Juni konnte die Ukraine in diesem Gebiet keine weiteren Gebietsgewinne verzeichnen. Im Osten lief es zunächst besser. Südlich der von der Ukraine kontrollierten Großstadt Welyka Nowosilka rückten ukrainische Streitkräfte bis zu zehn Kilometer vor und befreiten sechs Dörfer entlang der Straße nach Mariupol. Doch auch dort kam der Vormarsch seit Wochen zum Stillstand. Seit der Befreiung des Dorfes Uroschaine am 13. August konnte die Ukraine in diesem Grenzgebiet zwischen den Regionen Donezk und Saporischschja keine weiteren Geländegewinne erzielen.
Die beste Entwicklung zeigte sich im Zentrum der Front, zwischen den Dörfern Robotyne und Werbowe. Hier setzte die Ukraine offenbar ihre besten Verbände ein, darunter Einheiten der 47. Mechanisierten Brigade sowie der 46. und 82. Luftlandebrigade. Diese erzielten Erfolge und konnten bis zu 13 Kilometer ins Feindesland vorstoßen. Sie kämpfen derzeit um das strategisch wichtige Dorf Nowoprokopiwka, das nur noch 17 Kilometer nördlich von Tokmak liegt. Die gefürchtete "Drachenzahn"-Linie wurde hier vor etwa drei Wochen durchbrochen. Die Ukraine verstärkt nun offenbar ihre Angriffsbemühungen in dieser Richtung, indem sie Einheiten von weniger erfolgreichen Frontabschnitten abzieht. Dabei wird möglicherweise "alles auf eine Karte gesetzt", um in Richtung Tokmak vorzurücken. Glücklicherweise ist Russlands Streitmacht in der Region so geschwächt, dass keine ernsthaften Gegenangriffe an den ausgedünnten Fronten im Osten und Westen von Saporischschja zu erwarten sind. Alle Bemühungen Moskaus, die militärische Situation im Süden des Landes in den letzten 16 Wochen zu verbessern, blieben erfolglos.