Gott. Die höchste aller Kategorien. Mehr geht nicht. Wer sich selbst so bezeichnet, gilt als größenwahnsinnig. Doch so einer ist Eric Clapton nicht - oder zumindest nicht mehr. Heute sagt man dem größten lebenden Blues- und Rock-Gitarristen der Welt nach, er sei im Laufe der Jahrzehnte ein überaus menschenfreundlicher Zeitgenosse geworden. Eine sanfte Musik-Legende, die Kollegialität und Anstand über alles schätzt. Dieser Mann wird am heutigen 30. März 75 Jahre alt.
Nicht im "Club 27"Ein Methusalem-Alter für einen der Musik-Generation, über deren morbide Genies man philosophiert: "The best die young!" Einer der Besten, die viel zu früh starben, war Brian Jones von den Rolling Stones. Er war 27, als man ihn 1969 tot in einem Swimmingpool fand. Janis Joplin starb ebenfalls mit 27 (1970) an einer Überdosis, Jim Morrison (the Doors) segnete im gleichen Alter das Zeitliche (1971).
Auch Eric Clapton schien so ein Fall zu werden, jedenfalls gab er sich alle Mühe mit Drogen und Alkohol. Auch musikalisch schoss er in die Sterne. Mit 21 war der junge Mann aus der südenglischen Grafschaft Surrey ein Weltstar. Er hatte zuvor mit den legendären Yardbirds gespielt, danach mit John Mayall und den Bluesbreakers, und ab 1966 war er Frontman von Cream, der damals besten Band der Welt.
So bekam er seinen Spitznamen "Slowhand"Dieser milchbärtige Eric Clapton wurde in London, in den 60ern das Mekka der Rock-Musik, als "Gott" verehrt. Das verdankte er seinen Künsten an der Gitarre und einem blöden Zufall. Ein Fan hatte an eine Londoner Häuserwand "Clapton is god" - Clapton ist Gott - gepinselt. Eigentlich wollte er "Clapton is good" schreiben, nur hatte er das zweite O vergessen. Egal, von da an war er der Gott mit der Fender-Klampfe.
Nach dem Tod von Jimi Hendrix 1970, der mit seinem Können Clapton einige Zeit in den Schatten stellte, ließ er sich nicht mehr "Gott" nennen. Stattdessen nannte man ihn "Slowhand" - langsames Händchen. Eigentlich kein Kompliment für einen Weltklasse-Gitarristen. Er stammt aus Yardbirds-Zeiten, als Eric und seine Jungs im Crawdaddy Club in Surrey oft gecoverte Songs spielten. Die waren normalerweise nur drei Minuten lang. Eric streckte sie auf fünf bis sechs Minuten, verlängerte sie also. Manchmal riss dabei eine Gitarrensaite mitten in einem Stück, dann fing das Publikum an langsam zu klatschen, bis der Gitarrist eine neue aufgezogen hatte. Dieser "slow handclap" inspirierte Clubbesitzer Giorgio Gomelsky zu Erics Spitznamen "Slowhand".
Mehr als 130 Millionen verkaufte TonträgerDie Mythen pflasterten schnell seinen Weg. Das beginnt schon bei seiner Geburt in Ripley im Süden Englands. Sein Vater ist ein anderweitig verheirateter kanadischer Soldat, der längst in Kanada bei seiner Frau ist, als Eric Clapton am 30. März 1945 zur Welt kommt. Die Mutter ist erst 16. Das Kind wächst bei Oma und Opa auf, in dem festen Glauben, dass es seine Eltern sind, die wahre Mama hält er für eine ältere Schwester. Erst mit neun Jahren soll er die Wahrheit erfahren und die Erkenntnis gewinnen: Er ist anders als die anderen.
Mit 17 gibt der hochbegabte Junge sein Kunststudium an der Kingston University in London auf und widmet sich nur noch seiner Gitarre. Heute kann er auf eine einzigartige Karriere zurückblicken. Eric Clapton ist 17-facher Grammy-Gewinner, als einziger Musiker wurde er gleich dreimal in die "Rock and Roll Hall of Fame" gewählt. Mit Hits wie "Sunshine of your Love", "I feel free", "Crossroads", "Lay Down Sally", "After Midnight", "I shot the Sheriff" oder "Cocaine" wird er Dauergast in den Charts. Clapton verkaufte weltweit über 130 Millionen Tonträger, sein Vermögen wird auf über 150 Millionen Dollar geschätzt.
Er tritt mit der Crème de la Crème der Rockmusik auf und musiziert mit John Lennon, Keith Richards, Duane Allman, Paul McCartney, Roger Daltrey, Ginger Baker, Chuck Berry, B.B. King, J.J. Cale, Mark Knopfler, Carlos Santana, Pete Townshend oder John McLaughlin. Mit dem Blues-Wunderkind Steve Winwood gründet er die sagenumwobene Formation Blind Faith. Für den Designer Giorgio Armani schreibt er die Musik für dessen Modenschauen und für Tom Cruise den Soundtrack zu "Die Farbe des Geldes".
Clapton und die FrauenBei den Frauen pflegt Eric Clapton das Prinzip "Eine nach der anderen". In seiner Autobiografie "Mein Leben" (Kiepenheuer & Witsch) schreibt er 2007: Sobald eine "weg war, stürzte ich mich in eine Serie von One-Night-Stands und benahm mich unverschämt gegenüber jeder Frau, die mir über den Weg lief".