"Lindenstraße": Ein Stück Fernsehgeschichte geht zu Ende

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"Lindenstraße": Ein Stück Fernsehgeschichte geht zu Ende

Stars (1 / 1) 28.03.2021 00:33 / Olga Symbolbild WDR/Thomas RabschWDR/Mara LukaschekWDR/HornunWDR/Steven MahnerWDR/Diane KrügerWDR/Harald KratzerWDRWDR/Diane Krüger


Rückblick auf fast 35 Jahre

Am Sonntag um 18:50 Uhr ist es soweit: Ein wilder Streicherauftakt kündigt im Ersten die allerletzte Folge der "Lindenstraße" an. Die Mutter aller deutschen Seifenopern endet mit der Folge 1.758 nach fast 35 Jahren. Trotz der massiven Kritik, die der ersten "Lindenstraße"-Folge am 8. Dezember 1985 folgte, war die Serie eine feste Institution im deutschen Fernsehen.

Erfinder Hans W. Geißendörfer (78) produzierte eine ausufernde Melange aus täglichen Konflikten und Dramen um Aids, Sterbehilfe, Alkohol- und Drogensucht, Kernkraft, Krankheit, Fremdenangst, Rechtsradikalismus, Sekten, Mafia und vielem mehr. Auch wenn die anfangs gewaltige Einschaltquote von über zehn Millionen Zuschauern in den vergangenen Jahren immer weiter nachgelassen hat, kaum eine Serie kann eine so treue Fanbasis wie die "Lindenstraße" vorweisen. "Ich liebe diesen Scheiß einfach. Ich bin damit groß geworden", lautet nur eines von vielen Statements aus dem Publikum.

Die wahre Lindenstraße

Geißendörfers Vorbild war ein Mehrfamilienhaus im mittelfränkischen Neustadt an der Aisch, wo er seine Kindheit verbrachte. Die Serie ist nach der real existierenden Lindenstraße in Ummendorf (bei Biberach) in Oberschwaben benannt. Drehbuchautorin Barbara Piazza wohnte selbst mehrere Jahre in der Lindenstraße. Geißendörfer wurde außerdem von der britischen Erfolgssoap "Coronation Street" inspiriert.

Hier leben Familie Beimer und Co. WDR/Mara Lukaschek

Die deutsche "Lindenstraße" spielte bis zuletzt in München, gedreht wurde aber in den WDR-Studios in Köln-Bocklemünd, wo für die Außenkulisse eine 150 Meter lange Fassadenattrappe mit Café, Bar, Supermarkt, Arztpraxis, Friseursalon und dem Restaurant "Akropolis" gebaut wurde. Der letzte Drehtag der Serie liegt schon einige Wochen zurück, am 20. Dezember 2019 fiel die letzte Klappe.

Von Anfang an dabei

Herz und Seele des Formats war bis zuletzt Marie-Luise Marjan (79) als Mutter Helga Beimer. Sie war seit dem Start vor 34 Jahren dabei. Ebenfalls von Anfang bis zum Schluss wirkten Andrea Spatzek (60, Gabi Zenker), Moritz A. Sachs (41, Klaus Beimer) und Hermes Hodolides (56, Vasily Sarikakis) mit. Seit Folge zwei gehörte Sybille Waury (49, Tanja Schildknecht gesch. Dressler) durchgehend zur Besetzung, Amorn Surangkanjanajai (66, Gung Pham Kien) seit Folge vier.

So fing alles an: Am 8. Dezember 1985 wurde mit "Herzlich Willkommen" die erste Folge der "Lindenstraße" ausgestrahlt. WDR/Hornun

Ludwig Haas (86) starb nur wenige Folgen vor dem Ende in Folge 1.744 den Serientod, er spielte von Beginn an Dr. Ludwig Dressler. Joachim Hermann Luger (76) musste in der Serie 2018 das Zeitliche segnen, auch er gehörte als Hans Beimer zur Ur-Besetzung.

Von Kindheit an dabei

Moritz A. Sachs alias Klausi stand im Alter von gerade mal sieben Jahren zum ersten Mal am Set der "Lindenstraße". "Ich habe dort 34 Jahre meines Lebens verbracht, ich kann mich nicht mal an eine Zeit ohne 'Lindenstraße' erinnern, so jung war ich noch, als ich dort anfing", erklärte er in einem Interview mit spot on news. Doch damit war Sachs noch lange nicht der Jüngste.

Julia Stark (rechts) alias Sarah Ziegler ist mit der Serie aufgewachsen. WDR/Steven Mahner

Julia Stark (32) und Johannes Scheit (31) spielten die Figuren Sarah Ziegler und Tom Ziegler mit Unterbrechungen, seit sie Babys waren. Scheit hatte seinen ersten Auftritt in der Serie, als er sieben Monate alt war, Julia Stark wurde mit einem Jahr im Casting ausgewählt. Auch Sontje Peplow (38, Lisa Dagdelen) und Rebecca Siemoneit-Barum (42, Iffi Zenker) spielten ihre Rollen seit ihrer Kindheit.

Wo Til Schweigers Karriere begann

Nach seiner Ausbildung an der Schule des Theaters in Köln und einem Engagement am Contra-Kreis-Theater in Bonn (1989) wurde Til Schweiger (56, "Honig im Kopf") 1990 für die "Lindenstraße" verpflichtet. Zwei Jahre lang spielte er die Rolle des Jo Zenker. Nach seinem ersten großen Kinoerfolg mit "Manta, Manta" (1991) verließ Schweiger zwar 1992 die "Lindenstraße", doch seine Figur blieb präsent. Sie tauchte immer wieder in Dialogen auf, wenn es hieß, dass "der Jo in Hollywood" sei. Und Schweigers spätere Ex-Ehefrau Dana (52) spielte in den Folgen 489 und 490 als Pat Wolfson mit.