"9 Tage wach": Deshalb spielt Eric Stehfest im Film nicht sich selbst

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"9 Tage wach": Deshalb spielt Eric Stehfest im Film nicht sich selbst

Stars (1 / 1) 13.03.2021 00:33 / Simo Symbolbild imago images/STAR-MEDIA


Autobiografie als TV-Produktion

Schauspieler Eric Stehfest (30) erzählt in seiner Autobiographie "9 Tage wach" (2017) schonungslos über seine Drogenvergangenheit und den Konsum von Crystal Meth. ProSieben hat den Bestseller nun als TV-Drama umgesetzt (Sonntag, 15. März um 20:15 Uhr auf ProSieben und Joyn). Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt Stehfest von seinen Erinnerungen an den neuntägigen Drogen-Trip, der ihn fast das Leben kostete. Zudem verrät er, warum nicht er, sondern Jannik Schümann (28, "Dem Horizont so nah") seine Rolle übernommen hat und welche musikalischen Pläne er derzeit verfolgt.

Sie haben gesagt: "Mit der Verfilmung verabschiede ich mich von meinem alten Leben." Was meinten Sie damit?

Eric Stehfest: Meine quasi Vorreiterin Christiane F. hat eine wahnsinnige Welle mit ihrem Buch ausgelöst, sie ist aber den Titel der heroinsüchtigen Prostituierten vom Bahnhof Zoo nie losgeworden. In ihrem letzten Interview hat sie sich gewünscht, dass sie nicht als Christiane F. sterben möchte und das kann ich total nachvollziehen. Ich möchte ein Vorbild sein, das es wirklich geschafft hat, nicht nur von der Droge wegzukommen, sondern ein neues Leben anzufangen. Es ist tatsächlich eine Wiedergeburt. Die Verfilmung als Abschluss war immer das Ziel, es wird keine andere große Verwertung mit dem Stoff mehr geben.

War es für Sie schwer, am Drehbuch mitzuschreiben und das alles noch einmal zu durchleben?

Stehfest: Es war ein sehr intensiver, aber auch lehrreicher Prozess. Andreas Bareiss, einer der Produzenten, hat mich ganz wunderbar an die Hand genommen und hat mir viel Vertrauen geschenkt. Ich habe mit meiner Produktionsfirma vorher schon neun Kurzfilme gedreht und auch selber die Drehbücher dazu geschrieben, ich bin also nicht unvorbereitet in den Job gegangen. Und ich habe während des Buchschreibens dramaturgisch alles schon so angelegt, dass es filmisch wirkt, weshalb das Lesen für manche durch die Szenensprünge sehr schwierig war. Was das Schreiben betrifft, habe ich Blut geleckt. Da wird noch mehr kommen.

Der Film behandelt mit einer Drogengeschichte ein sensibles Thema, das durch Bilder noch einmal realer wirken kann. Was war Ihnen wichtig für den Film?

Stehfest: Da gab es anfangs viele Diskussionen. Er sollte so viele Menschen wie möglich erreichen und für möglichst viele Menschen verständlich bleiben. Das heißt, wenn wir mit irgendeinem Arthouse-Film um die Ecke kommen, könnte es passieren, dass da einfach zu viele aussteigen und das hat das Thema nicht verdient. Deshalb ist der Film relativ eindeutig. Es ist nicht nur ein gedachter, sondern auch ein körperlicher Film, da muss man sich als Schauspieler wirklich abarbeiten und leiden und diesen Leidensprozess erlebe ich bei Jannik Schümann total.

Wie war das für Sie, ihn in Ihrer Rolle zu sehen, haben Sie in ihm sich selbst oder die Filmfigur gesehen?

Stehfest: Es war fast schon gespenstisch. Ab ungefähr der Hälfte ist es mir beim Filmgucken passiert, dass ich mich manchmal gesehen habe und auch andere Figuren plötzlich in meinem Kopf auftauchten - total psychotisch. Und dennoch ist es nicht nur das. Ich sage bewusst nur, weil die Schauspieler ihre Geschichten auch miteinbringen. Von denen kann man sich, obwohl man eine Rolle spielt, nicht vollends lösen. Ich finde, das setzt dieser Welt und dem Charakter von "9 Tage wach" noch das i-Tüpfelchen auf.

Gab es die Überlegung, dass Sie sich selbst spielen?

Stehfest: Für mich war das ein Riesenthema, das war eigentlich der größte Prozess. Die ganze Zeit auf der Straße und wo ich diese Szenen wirklich erlebt habe, war mein Rettungsanker: "Eric halte durch, das wird irgendwann verfilmt. Das wird Sinn machen, dass du das sehen musst und erlebst." Und dann kam der große Tag, als es hieß: "Du kannst nicht alles haben. Willst du spielen oder willst du Drehbuch schreiben." Ich habe mich dafür entschieden, dass ich an dem Stoff dranbleiben will, ich habe mir gedacht: "Was bringt es mir, wenn ich mich spiele, aber ich keinen Einfluss mehr darauf habe, wie meine Geschichte erzählt wird." Einen kleinen Auftritt habe ich aber.

In der Doku im Anschluss des Films sind Sie mit Ihrer Frau zu sehen. Wie kam es dazu, dass Sie viel mit ihr zusammenarbeiten und das Thema mit ihr aufgreifen?

Stehfest: Unsere Zeit benötigt reale Stimmen, die den Mut haben, Wahrheiten auszusprechen. Wenn ich immer nur in der Fiktion lebe, kann ich diesem Ruf nicht nachgehen. Deswegen habe ich mich entschieden, gemeinsam mit meiner Frau nicht nur als Ehepaar zu agieren, sondern auch als Künstlerpaar, das versucht, seine Stimmen einzusetzen für genau diese Themenbereiche und für Menschen, die keine Stimme haben. Es kann anstrengend und hart sein, weil man in der Kunst ehrlich sagen muss, wenn etwas nicht gut ist. Und wir mussten erfahren, dass man sich nicht nur Freunde macht, wenn man der Wahrheit dient. Bei unseren Lesungen gab es Überfälle, wir wurden angegriffen. Wir versuchen derzeit, unsere Verbündeten zu stärken und die Arbeit zu machen, ohne ein Wohl dabei zu gefährden.