Der US-General Ben Hodges ist davon überzeugt, dass Langstrecken-Raketen einen entscheidenden Vorteil für die ukrainischen Truppen darstellen. Sie würden "sicherstellen, dass die Krim für die russischen Luft- und Seestreitkräfte unzugänglich wird“. Hodges betonte in der ZDF-Sendung Maybrit Illner, dass, falls die USA solche Raketen an die Ukraine liefern würden, auch Deutschland "Taurus“ zur Verfügung stellen sollte. Falls Deutschland „Taurus“-Systeme an die Ukraine liefern würde, müssten diese jedoch auch in das System integriert werden, was Zeit in Anspruch nehmen könnte. Die Ukrainer haben kürzlich erneut ihre Forderung nach "Taurus“-Raketen bekräftigt. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, äußerte gegenüber der Welt am Sonntag: "Wir setzen große Hoffnungen in deutsche ‚Taurus‘-Raketen.“ In Anspielung auf frühere Debatten in Deutschland über die Lieferung anderer Waffengattungen wie Kampfpanzer sagte Makeiev, er hoffe, dass die Debatte diesmal verkürzt werden könne, um mehr Menschenleben zu retten.
Auch aus der deutschen Politik werden die Rufe lauter, die Waffe nach Kiew zu schicken. Marcus Faber, Verteidigungspolitiker der FDP, betonte, der Erfolg der von Großbritannien an die Ukraine gelieferten Marschflugkörper zeige die Bedeutung dieser Waffen. Roderich Kiesewetter, außenpolitischer Sprecher der CDU, erklärte, die Bundeswehr verfüge über 600 "Taurus“-Systeme. Davon seien zwar etwa 450 nicht einsatzbereit, könnten jedoch von der Firma MBDA für den Export in die Ukraine aufgerüstet werden. Nach den Lieferungen der europäischen Atommächte Großbritannien und Frankreich könnte Deutschland im Gleichschritt ebenfalls "Taurus“-Raketen an die Ukraine liefern. Es wäre also keine isolierte Maßnahme. Trotzdem hat das Bundesverteidigungsministerium bisher seine Ablehnung einer Lieferung bekräftigt. Eine Sprecherin erklärte gegenüber der Welt am Sonntag, dass Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) klarstellte, dass es keine Lieferung von „Taurus“-Marschflugkörpern geben werde.