Selbst wenn die Ukraine keinen größeren Schaden in dem russischen Fahrzeugpark verursacht hat, ist Russland durch den Angriff empfindlich getroffen. Die Angst vor ähnlichen Angriffen dürfte in Russland steigen. Die Ukraine verfügt über eine beträchtliche Anzahl weiterer Storm Shadows, die von Großbritannien geliefert wurden. Zudem hat Frankreich letzte Woche die Lieferung von Scalp-Langstreckenraketen an die Ukraine bewilligt, die das französische Pendant zu Storm Shadows sind. Diese Raketen haben in Russland harsche Reaktionen hervorgerufen. Aufgrund ihrer großen Reichweite von über 250 Kilometern kann die Ukraine mit Storm Shadows bzw. Scalp-Raketen weitere russische Depots auf der Krim angreifen und den Nachschub für die russische Armee unterbinden. Der Reparaturpark in Nowostepne, der nun offenbar getroffen wurde, liegt etwa 90 Kilometer von der Frontlinie in der Ukraine entfernt. Experten gehen davon aus, dass die russische Armee nun gezwungen sein könnte, ihre Militärdepots weiter zurückzuziehen oder statt einer großen Reparaturwerkstatt auf mehrere kleinere Werkstätten zu setzen, um das Risiko zu verringern, dass bei einem Angriff sehr viel Material zerstört wird. Beide Optionen hätten jedoch ihre eigenen Herausforderungen.
Der Angriff auf die Krim hat die Schwachstellen in der russischen Verteidigung aufgedeckt, und die Angst vor weiteren Angriffen dürfte in Russland wachsen. China, ein Verbündeter von Wladimir Putin, soll zudem massenhaft Drohnen und Ausrüstung liefern wollen, was die Spannungen weiter erhöht. Offiziell bestätigt ist der Storm Shadow-Angriff auf die Krim bisher nicht. Die ukrainischen Streitkräfte sollen die Storm Shadow-Raketen von Su-24-Bombern der ukrainischen Luftwaffe abgefeuert haben. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet von "unbestätigten örtlichen Berichten" über Angriffe auf der Krim, es habe Explosionen gegeben, die entweder von tatsächlichen ukrainischen Angriffen oder vom Einsatz der russischen Luftabwehr stammen könnten. Bereits vor knapp drei Wochen wurde die zur Krim-Halbinsel führende Tschonhar-Brücke beschädigt, als ein Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow im Einsatz gewesen war.
Die Lage in der Region bleibt weiterhin hochspannend und von Unsicherheit geprägt, während die internationale Gemeinschaft mit Sorge auf die Entwicklungen schaut.