Eine Explosion im Atomkraftwerk ist jedoch nicht die einzige Gefahr, die zu einer Katastrophe führen könnte. Wenn die Stromversorgung des Kraftwerks erneut durch Kämpfe unterbrochen würde, könnte dies ebenfalls zu einem GAU führen. Der Strom versorgt die Wasserpumpen in den AKWs, mit denen die Brennstäbe gekühlt werden. Zudem könnte durch die Zerstörung des Kachowka-Staudamms das Kraftwerk ohne Wasser dastehen. "All diese Szenarien hätten nicht nur Auswirkungen auf die Ukraine, sondern auch auf viele andere Länder", warnt der Umweltschützer. "Nach der Explosion im Atomkraftwerk Tschernobyl vor 36 Jahren wurden erhöhte radioaktive Werte in vielen europäischen Ländern gemessen." ► "Während der Besatzung des Gebiets um Tschernobyl haben wir gesehen, wie fahrlässig die Russen mit Kernenergie und Strahlung umgehen", sagt Aleksej Schelestij (43) zu BILD. Der Elektriker war im letzten Jahr einer von 170 Männern, die mehrere Wochen lang von den Russen im AKW Tschernobyl festgehalten wurden, bis die Gegend von den Ukrainern befreit werden konnte.
"Damals ließen sie Schützengräben in einem verseuchten Wald anlegen. Das Leben ihrer eigenen Leute war ihnen gleichgültig. Deshalb würde ich ihnen alles zutrauen", sagt Schelestij. Dass die Russen auch in der gefährlichen Gegend um und im AKW Saporischschja kämpfen wollen, ohne Rücksicht auf die Anlage zu nehmen, wird durch die Berichte eines ehemaligen Mitarbeiters des Kraftwerks deutlich. "In fast jedem Block des AKWs sind jetzt Russen untergebracht. Sie leben dort", sagt Oleksii Meldnichuk gegenüber "Deutsche Welle". "Sie planen, sich hier zu verteidigen. Dabei werden in Containern bei uns radioaktive Abfälle gelagert. Wenn dort etwas passiert, wird Radioaktivität freigesetzt."