Tauber: Da bin ich ziemlich konservativ. Wer jemanden in einer öffentlichen Funktion so beleidigt wie in dem geschilderten Beispiel, der beleidigt uns alle und am Ende sich selbst. Die Respektlosigkeit gegenüber den Vertretern unseres Staates - von der Kanzlerin bis zum Polizisten - sagt mehr über die Menschen aus, die so handeln, als über diejenigen, die beleidigt werden. Neulich habe ich mal ein "best-of" der Beleidigungen auf YouTube hochgeladen, die ich so geschickt bekommen habe. Einen Favoriten habe ich nicht. Mir tun diese Menschen, die vermeintlich Stärke aus der Beleidigung anderer ziehen, eher leid.
Sie wurden lange von einem Tweet verfolgt, den Sie zu unüberlegt abgesetzt hatten. Was würden Sie als Ihren größten Fehler in Ihrer politischen Laufbahn bezeichnen?Tauber: Bei den inhaltlichen Positionen, für die ich gestritten habe, bin ich mit mir im Reinen. Aber mit der Art und Weise, wie ich hier und da auf Kritik reagiert oder nicht reagiert habe, hadere ich. Und Twitter verführt leider dazu, manchmal erst zu schreiben und dann erst gründlich darüber nachzudenken. Und auch hier: Sie können sich entschuldigen wie Sie wollen. Der Tweet ist in der Welt. Beispielsweise hat mein Tweet zum Thema Mini-Jobber viele Menschen verletzt. Das war nicht meine Absicht. Und natürlich habe ich mich entschuldigt.
Sie verraten, dass Ihr Job als Generalsekretär Sie bis an Ihre Grenzen gebracht und auch Ihr Privatleben beeinträchtigt hat. Wie hat sich Ihre Arbeit auf Ihren Freundeskreis und Ihre Beziehungen ausgewirkt?Tauber: Bei mir leider negativ. Ich habe schlicht die falschen Prioritäten gesetzt und zu wenig Zeit für Freunde und Familie "reserviert". Ich bin nicht ganz sicher, inwieweit ich selbst Schuld daran bin oder ob nicht eben das System Politik einen solchen Tribut einfordert.
Was ziehen Sie für ein Fazit von Ihrer Zeit als Generalsekretär?Tauber: Die vier krassesten Jahre meines Lebens und unzählige Erfahrungen und Begegnungen, die ich nicht missen möchte.
Wie beurteilen Sie die Geschehnisse in Thüringen?Tauber: Dass die beiden bürgerlichen Parteien FDP und CDU der AfD in Thüringen auf den Leim gegangen sind, macht mich bis heute fassungslos. Die Konservativen dürfen nicht erneut zum Steigbügelhalter der Nationalisten herabsinken. Das widerspräche dem Gründungsgeist der CDU.
Wen sehen Sie im Kampf um den CDU-Vorsitz vorne?Tauber: Ich habe mir vorgenommen, denjenigen (oder diejenige), die das Rennen macht, vorbehaltlos zu unterstützen, egal, ob er oder sie vorher meine Stimme bekommen hat. Die CDU wird nur an ihre Erfolge anknüpfen können, wenn sie zu alter Geschlossenheit zurückfindet. Ich halte auch nichts davon, auf die unterlegene Seite zuzugehen. Das hat ja letztes Mal zu nichts geführt. Die hat sich dann einzureihen. Ohne Disziplin und Einordnung geht es nicht.
Wo sehen Sie sich beruflich und privat in fünf Jahren?Tauber: Gesund und munter und mit einer spannenden Aufgabe betraut hoffentlich. Wo, das wird der liebe Gott schon fügen.