Für die russische Verteidigung in der Südukraine wäre es äußerst gefährlich, wenn die ukrainischen Truppen weiter vorrücken, sich auf der linken Uferseite festsetzen und Nachschubwege etablieren könnten. Die Überflutung nach der Sprengung des Kachowka-Staudamms hat die erste Verteidigungslinie der Russen in der Gegend zerstört. Die Verteidigungsanlagen auf der linken Uferseite und im Hinterland sind zudem weniger gut ausgebaut als weiter östlich. Zudem sind nur wenige russische Einheiten im Ufergebiet stationiert, da der Fluss bisher als natürliche Barriere gegen größere ukrainische Angriffe galt. Russische Militärblogger berichten von intensiveren Artillerieangriffen gegen ukrainische Einheiten an beiden Ufern des Dnipro. Die Aktivität ukrainischer Artillerie- und Mörserbatterien hat zugenommen, um den eigenen Truppen Deckung zu geben und ihre Anzahl zu erhöhen.
Russland versucht seine Einheiten zwar aus der Luft zu unterstützen, aber die Angriffe sind teilweise ungenau und werden von der ukrainischen Luftabwehr vereitelt. Auch der Einsatz von Drohnen wird durch die elektronische Kriegsführung der Ukrainer gestört. Bisher scheitert Moskau also mit dem Versuch, die ukrainischen Soldaten zurückzudrängen. Selbst wenn die Ukrainer keinen größeren Vorstoß planen sollten, wird Russland wahrscheinlich gezwungen sein, dringend benötigte Einheiten zu verlegen, die dann an anderen Frontabschnitten fehlen. Die Sprengung des Kachowka-Staudamms könnte für die ukrainischen Streitkräfte auch die Möglichkeit schaffen, einen Brückenkopf in der Region zu etablieren. Durch den weitgehend trockenen Stausee könnten sie sich leichter in der Region Saporischschja bewegen. Berichten zufolge verfügen die ukrainischen Streitkräfte über schwedische Amphibienfahrzeuge vom Typ BV206S, die eine Überquerung des ausgetrockneten Kachowka-Stausees ermöglichen.