Drohnenaufnahmen zeigen dichte Rauchwolken über den Orten Nowaja Tawolschanka und Titowka. Die Rebellen haben die Bevölkerung aufgerufen, das Kampfgebiet zu verlassen oder in ihren Kellern Schutz zu suchen. Auch die grenznahen Großstädte Belgorod (365.000 Einwohner) und Kursk (415.000 Einwohner) gerieten seit Donnerstag immer wieder unter Beschuss aus der Ukraine. Dabei wurden auch die gefürchteten Kamikaze-Drohnen eingesetzt. Über den Städten stieg dunkler Rauch auf, während russische Armee-Einheiten und Rettungskräfte durch die Straßen eilten. Alles in allem scheint es das Ziel der ukrainischen Regierung zu sein, dem russischen Machthaber vor Augen zu führen, dass sein Krieg in der Ukraine nun auch zu einem Krieg in Russland wird, und zwar dauerhaft, bis die russischen Truppen, die derzeit illegal fast 20 Prozent der Ukraine besetzt halten, abziehen.
Ob ihnen das gelingen wird, ist unklar. Es ist jedoch klar, dass immer mehr Russen Präsident Wladimir Putin (70) als schwach und machtlos betrachten, da es ihm nicht gelingt, die vergleichsweise kurze russisch-ukrainische Grenze gegen Angriffe zu verteidigen. Dies ist auch ein Ziel der Ukraine, die das einst starke Regime von Putin zunehmend destabilisiert und interne Machtkämpfe anheizt. Innerhalb der Ukraine hat die ukrainische Armee den Beschuss der besetzten Gebiete intensiviert und dabei Kontroll- und Logistik-Knotenpunkte der Besatzer angegriffen. Russische Ziele in den Städten Berdjansk (Region Saporischschja) und Genitschesk (Region Cherson) wurden dabei getroffen. Beide Städte liegen mehr als 100 Kilometer hinter der Front, was auf den Einsatz modernster Mittelstreckenwaffen aus dem Westen hindeutet.