Bruno Ganz: Die fünf besten Rollen des leisen Virtuosen

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Bruno Ganz: Die fünf besten Rollen des leisen Virtuosen

Stars (2 / 1) 17.02.2021 00:33 / Angela Symbolbild Shutterstock/Andrea Raffin


Erste internationale Bekanntheit erlangte Bruno Ganz an der Seite von Dennis Hopper in Wim Wenders' ambitioniertem Schielen nach Hollywood. Im Drama nach Patricia Highsmiths Roman spielt Ganz den introvertierten, todkranken Hamburger Rahmenmacher Jonathan, der einen Mord begehen soll. Dabei mischt sich immer wieder eine naive Euphorie in Ganz' verzweifelte Melancholie, wenn er mit Hopper, dem amerikanischen Freund, spärliche Gespräche führt. Sein undurchdringlicher Blick und seine stoische Art sind bereits damals auffällig. "Der amerikanische Freund" war seine erste Zusammenarbeit mit Wenders.

2. "In Zeiten des abnehmenden Lichts" (2017)

In der Romanverfilmung von Matti Geschonneck mimt Bruno Ganz den DDR-Funktionär Wilhelm Powileit herausragend. Es ist seine mit Abstand lustigste Darbietung, durch die er einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit unterstreicht. Mit brüchiger Verbohrtheit und pointierter Virtuosität steht Ganz in der DDR-Familiensaga zwangsläufig im Mittelpunkt, weil er den restlichen Cast nicht weniger als an die Wand spielt. Es genügen minimale Variationen in Mimik und Tonhöhe, um als Working-Class-Veteran für alle zum Familientyrannen zu werden. Mit den anderen Hauptdarstellern Hildegard Schmahl, Sylvester Groth, Alexander Fehling und Evgenia Dodina hat Geschonneck für den Film keine Laien engagiert, und doch ist es Ganz und nur Ganz, der in "In Zeiten des abnehmenden Lichts" alles um sich herum würdevoll verblassen lässt.

1. "Der Untergang" (2004)

Bruno Ganz gehörte zu den ganz wenigen Darstellern, die lediglich mit den Augen spielen konnten - siehe Anthony Hopkins oder Kevin Spacey. Er beherrschte das Spiel der reduzierten Mimik nahezu perfekt, nicht zu blinzeln ist ein Trick, den auch Michael Caine anwendete. Vielleicht verleiht genau diese lauernde Ruhe zwischen den vulkanhaften Ausbrüchen seiner Hitler-Version in "Der Untergang" den gespenstischen Touch. Natürlich kam ihm besonders hier seine Theaterschule zugute. Oliver Hirschbiegels Film über die letzten Tage Adolf Hitlers war eine der höchstumstrittenen deutschen Produktionen der letzten 20 Jahre. Es ging um die Frage, ob man Hitler als ganz normalen Menschen darstellen darf. Ganz selbst wischte die Diskussion um die menschliche Darstellung des Diktators einfach weg: "Letztendlich konnte ich nicht zum Herzen Hitlers vordringen, weil es da keines gab."

Der Film kam dann doch in die Kinos, es folgte die Oscar-Nominierung als "Bester nicht-englischsprachiger Film". Danach wollte niemand mehr etwas von der anfänglichen Skepsis wissen, ganz einfach, weil Ganz' beispiellose Leistung an einen Geniestreich grenzt. Wie Bruno Ganz komplett in der Rolle verschwindet und die Person Adolf Hitler bis auf die Knochen seziert - eine furchteinflößende Verkörperung. Die Darbietung des Charakterdarstellers ist auch deshalb so glaubhaft, weil er gezielt zwischen dem präzisen, schneidenden Hochdeutsch in diesem Film und dem behaglichen Schweizer-Singsang aus anderen Rollen wechseln konnte. Wäre Ganz ein Amerikaner, er hätte sich einen Oscar in die Vitrine stellen können. Dass er anschließend auf ewig mit der Rolle verbunden sein würde, musste Ganz bereits vorher gewusst haben.