"Tatort"-Star Franziska Weisz: "Es ist eine absurde Plastik-Welt"

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"Tatort"-Star Franziska Weisz: "Es ist eine absurde Plastik-Welt"

Stars (1 / 1) 10.02.2021 00:33 / Günter Symbolbild NDR/Christine Schroeder


"Tatort: Die goldene Zeit"

Im neuen "Tatort: Die goldene Zeit" (9. Februar, 20:15 Uhr, das Erste) wird der Zuschauer mit auf den Hamburger Kiez genommen und erhält einen Einblick in die kriminellen Strukturen, die sich hinter der Touristenattraktion verstecken. Zwischen Prostitution und Menschenhandel ermittelt die österreichische Schauspielerin Franziska Weisz (39), die seit 2016 als Polizeioberkommissarin Julia Grosz in diesem "Tatort"-Ableger zu sehen ist. Wie sie privat zum Kiez steht, ob die Tränen echt waren und wie es mit den Kommissaren Grosz und Falke (Wotan Wilke Möhring, 52) weitergeht, verrät die Schauspielerin im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Sie kommen aus Österreich und mussten im neuen "Tatort: Die goldene Zeit" den Hamburger Kiez erkunden. Wie war das für Sie?

Franziska Weisz: Ich finde es gut, dass ich reingeschubst wurde. Schließlich ist es ein Versäumnis, als Polizistin von Hamburg und Umgebung den Kiez nicht zu kennen. Aber ich muss sagen: Privat hätte ich freiwillig nicht so viel Zeit da verbracht. Am helllichten Tag liegen dort kaputte Menschen am Straßenrand, die ihr Leben weggeworfen haben. Dann wird es dunkel und die Touristen kommen, denen erzählt wird, wo überall die Beatles gespielt haben. Es wird noch dunkler und der Sex-Tourismus beginnt. Es ist eine absurde Plastik-Welt.

Wussten Sie über die verschiedenen Clans Bescheid, die auf dem Kiez das Sagen haben?

Weisz: Wir haben das große Glück, dass die Bundespolizei in Hamburg uns tatkräftig unterstützt. Die nehmen uns unter die Fittiche, schauen sich die Drehbücher an und erzählen uns Dinge darüber. Das ist ein großer Luxus. Wir haben mit einem ehemaligen Polizisten eine Kiez-Tour gemacht. Das war super. Er hatte überall Geschichten auf Lager - wo zum Beispiel die Marek-Bande war. Ich habe mir die Themen Menschenhandel und organisiertes Verbrechen in Deutschland näher erklären lassen. Das war vor den Dreharbeiten und so konnte ich das Wissen einfließen lassen.

Aber es gibt auch Veränderungen auf dem Kiez...

Weisz: Genau. Das finde ich am Drehbuch sehr schön: Der Vergleich alter Kiez versus neuer. Nostalgie versus Kriminalität - Falke und Grosz machen dabei auch ihre Standpunkte klar. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass für Figuren wie Lübcke, die Zeiten damals wirklich golden waren. Schließlich fuhr er damals mit seinem Chef mit dem Rolls-Royce durch den Kiez und hat auf irgendeiner Yacht seinen Urlaub verbracht. Aber die Frauen, die damals angeschafft haben, die sind mittlerweile wahrscheinlich tot oder Alkoholikerinnen.

Als Frau in ein Bordell gehen und die Frauen dort sitzen sehen. Auch wenn es nur gespielt war, fiel Ihnen dieser Anblick bei den Dreharbeiten schwer?

Weisz: Es sollte alles sehr realitätsnah sein. Bis kurz vor Drehstart hieß es noch, wir spielen in einem echten Bordell. Das ging dann aus diversen Gründen doch nicht. Der Drehort wurde allerdings so realistisch wie möglich nachempfunden. Und da dachte ich mir: Ich würde als Mann nicht können. Andererseits möchte ich nicht alle über einen Kamm scheren. Nicht alle Prostituierten in Deutschland sind Zwangsprostituierte und wurden durch Menschenhandel nach Deutschland gebracht. Es wird auch eine hübsche, selbstbewusste Deutsche um die 30 gezeigt, die sagt, dass sie gerne dort arbeitet. Und das finde ich gut, dass wir das im "Tatort" gezeigt haben. Schließlich gibt es das auch.