Ja, und wie! In "Die goldene Zeit" erhält der Zuschauer eine spannende Kiez-Tour der besonderen Art. Es wird hinter die Kulissen der vermeintlichen Partymeile geblickt, wo Menschenhandel, Prostitution und organisiertes Verbrechen zum alltäglichen Geschäft gehören. Hier trifft Nostalgie auf Kriminalität. Diese Gegenpole werden durch die Protagonisten bildhaft transportiert. Während Falke auf dem Kiez seine Jugend verbracht hat und sich seinen ehemaligen Weggefährten verbunden fühlt, verurteilt Grosz diese Glorifizierung und sieht nur die Schattenseiten der Reeperbahn.
Der "Tatort" zeichnet das alte St. Pauli nach, das in den 1970er und 1980er Jahren seine Blütezeit hatte. Figuren wie Michael Lübke werden heute durch albanische Clans verdrängt, die langsam die Macht übernehmen. Das abstruse Leben auf dem Kiez wird dabei großartig von Regisseurin Mia Spengler (34) und ihrem Team eingefangen. "Es sollte alles sehr realitätsnah sein", erklärte auch Franziska Weisz im Interview mit spot on news. Nur das Bordell sei nachgestellt worden, da sie für ein echtes Frauenhaus keine Drehgenehmigung erhalten hatten, verriet die Schauspielerin weiter.
Während die Spannung der Geschichte den Zuschauer förmlich an die Couch fesselt, kommt man den Figuren ganz nah. Vor allem Grosz rücken in den Fokus, wobei die sonst so gefühlskalte Ermittlerin Emotionen zeigt - und zwar reichlich. Und so viel sei verraten: Das Ende dürfte auch bei dem ein oder anderen Zuschauer für feuchte Augen sorgen...