Eines der Gespräche auf der Tagesordnung der Außenministerin dürfte der Taiwan-Konflikt sein. In diesem Zusammenhang liegt Baerbock vermutlich auf derselben Linie wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der in der vergangenen Woche deutlich weniger Sympathien entgegengebracht wurden als Emmanuel Macron. Von der Leyen hatte bei ihrem Besuch in China kritisiert, dass sich Deutschland nicht in eine wirtschaftliche Abhängigkeit von China begeben dürfe. Aus diesem Grund ist die Entwicklung im Konflikt mit Taiwan auch für Deutschland relevant. Denn bei einem chinesischen Angriff würde der Westen vermutlich mit Sanktionen reagieren, die angesichts des Handelsvolumens zwischen Deutschland und China ziemlich große Probleme verursachen könnten. Einig scheint man sich in Deutschland über die Parteigrenzen hinweg, dass Baerbock unbedingt klarstellen muss, dass Macrons Aussagen nicht die Meinung der deutschen Bundesregierung widerspiegeln. Außerdem wird erwartet, dass die deutsche Außenministerin ein klares Bekenntnis dazu abgibt, dass sich die EU nicht von der Seite der Vereinigten Staaten abspalten lassen wird. Die USA hatten bereits klar durchblicken lassen, dass sie im Falle einer Eskalation an der Seite Taiwans stünden. Eine solche Aussage könnte auch von der deutschen Bundesregierung kommen. Denn je mehr Staaten China eine rote Linie aufzeigen, desto unwahrscheinlicher dürfte eine Eskalation des Konflikts werden. Im Anschluss an ihren Aufenthalt in Peking wird Baerbock zunächst nach Südkorea weiterreisen und dann am kommenden Montag in Japan am Treffen der G7-Außenminister in Karuizawa teilzunehmen.