Allem Anschein nach hat der französische Präsident Emmanuel Macron einen ziemlich polemischen Auftritt bei seinem Besuch in Peking hingelegt. Vor allem Macrons Forderung von einer strategischen Autonomie der Europäischen Union als dritte Supermacht neben den USA und China stößt bei vielen europäischen Staatschefs auf Kopfschütteln. In China erläuterte der Präsident Frankreichs, dass die Europäer nicht als Gefolgsleute der USA wahrgenommen werden dürften. Zudem spielte Macron den Konflikt zwischen China und Taiwan herunter. Ein Verhalten, dass offenbar unterschiedliche Ansichten innerhalb der Europäischen Union offen zutage treten lässt. Gefährliche Rhetorik in diesen Zeiten!
Insgesamt zeigten sich zahlreiche Politiker in Europa verstört über die Umstände von Macrons Äußerungen. Im Augenblick kann niemand verstehen, wieso Macron ausgerechnet während eines Besuchs in Peking auf mehr Distanz zur USA drängt. Viel dringlicher wäre es nach Auffassung zahlreicher Europäer gewesen, wenn Macron von der Regierung in Peking mehr Distanz zu Kriegsverbrecher Putin eingefordert hätte. Deshalb sehen viele Experten Macrons Aussage in China als diplomatischen Fauxpas. Allem Anschein nach wollte Macron bei seinem Besuch in Peking die Rolle des "good Cops“ auszufüllen. Unterdessen schien der zeitgleich in Peking anwesenden EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen die Rolle des “bad Cops“ zuzufallen. Kein Wunder, dass sich die Begeisterung in Peking über von der Leyen deutlich in Grenzen hielt. Diese hatte den chinesischen Friedensplan für die Ukraine als nicht gangbar bezeichnet, während Macron das Papier zuvor gelobt hatte. Diese Uneinigkeiten in Europa dürfte man in China mit Sicherheit registriert haben. Während sich Macron nach seinem Besuch weitgehend begeistert äußerte, warnt von der Leyen vor zu großem Optimismus und fordert Wachsamkeit gegenüber Chinas Maßnahmen in Hinsicht auf den Konflikt in der Ukraine.