Nena Schink: Ich glaube, dass Laura Müller sehr viel Geld verdienen wird. Sie scheint das jetzt alles sehr clever für sich zu nutzen. Die "Let's Dance"-Teilnahme adelt sie. Ich fand zudem ihre Entscheidung klug, nicht in das Dschungelcamp zu gehen. Wenn sie ihre Karrierechancen weiter so gut nutzt, ist sie vielleicht bald berühmter als Michael Wendler.
Wieso bedienen Influencerinnen gerne alte Rollenmodelle?Nena Schink: Studien haben gezeigt, dass sich viele dieser Frauen auf Instagram zu Hause zeigen, wie sie das Haus dekorieren und für ihren Mann da sind. Wenn sich eine Frau auf Instagram mit Doktorurkunde präsentiert, bekommt sie weniger Likes, als wenn sie ein Bild im tollen, neuen Kleid postet. Es gibt meines Wissens keine erfolgreichen Instagrammerinnen, die keine Kinder und keinen Mann haben und sich nicht für Mode und Beauty-Themen interessieren.
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir derzeit die schwächste Generation seit den 50er Jahren großziehen, wenn sich das nicht wieder ändert. Früher haben die Frauen dafür gekämpft, anders wahrgenommen zu werden, die heutige Generation schreibt in ihre Instagram-Biografie "Wifey of". Dazu kommt, wie sich Frauen auf Instagram darstellen: immer kurze Röcke und hohe Schuhe. Eine Coco Chanel hat dafür gekämpft, dass Frauen sich anders kleiden. Wir machen alles rückgängig.
Shows wie "Germany's next Topmodel" oder die "Bachelor"-Formate bringen immer neue Influencer hervor. Gehört das mit zum Karriereplan?Nena Schink: Früher wurden bei "Germany's next Topmodel" noch die Erstplatzierten berühmt, der Rest war schnell vergessen. Heute haben Mädchen wie Gerda Lewis selbst auf den hinteren Plätzen die Möglichkeit, sich auf Instagram eine Plattform aufzubauen und danach "Bachelorette" zu werden. "GNTM" und "Bachelor" sind für mich die Kaderschmieden der Influencer, die Eintrittskarten in den Influencer-Olymp.
Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern?Nena Schink: Der größte Teil meines Buchs handelt von meinen eigenen Fehltritten. Ich wollte zeigen, dass eigentlich jeder von uns mitmacht. Die Schuld liegt nicht allein bei den Influencern, sondern am System Instagram und an unserem Nutzungsverhalten. Ich möchte die Influencer nicht verteufeln, sondern die Art und Weise, wie wir alle mit der App umgehen.