Mockridge: Ich habe ja immer gesagt, ich schaue aus Protest nicht mehr, weil die mich getötet haben. Das war damals sehr interessant, als ich in der Serie gestorben bin. Ich war auf den Titelseiten von sämtlichen Tageszeitungen in ganz Deutschland. Ich fand das bemerkenswert, dass eine ganze Nation um eine fiktionale Figur trauert. Das war einerseits sehr berührend, andererseits sehr merkwürdig. Ich habe damals zu meiner Frau gesagt, wenn ich einmal sterbe, wird das nur auf der letzten Seite eines Wochenblatts zu lesen sein.
Denken Sie die "Lindenstraße" hat ihre Strahlkraft verloren?Mockridge: Mit Sicherheit. Das ist einfach nicht mehr so zeitgemäß. Es gibt so viele Serien, die in jeder Hinsicht interessanter und spannender sind. Ich glaube, die Geschichte ist jetzt auserzählt. Das waren 35 ganz, ganz großartige Jahre, es war eine wunderschöne Zeit, es heißt Abschiednehmen und nun kommen neue Projekte.
Können Sie sich ein weiteres Serien-Engagement vorstellen, zum Beispiel auch bei einem Streamingdienst?Mockridge: Absolut, ich bin ein Serien-Junkie. Ich kucke wahnsinnige viele Serien, hauptsächlich bei Netflix und Amazon Prime. Ich würde nichts lieber tun, als eine weitere Serienfigur zu spielen, zum Beispiel einen Großvater oder einen alten Ermittler in einer Krimiserie. Das hat einen großen Reiz für mich. Du entwickelst eine Figur über Jahre hinweg. Das macht wahnsinnig viel Spaß und ist auch eine große Verantwortung. Die Zuschauer sehen, wie du älter, dick oder dünn wirst. Sie leben mit dir und das finde ich eine sehr reizvolle Aufgabe.
Welche Serien stehen bei Ihnen derzeit hoch im Kurs?Mockridge: Ich schaue viele Comedyserien und Stand-up-Comedy, aber auch Dramaserien. Meine Frau und ich sind gerade mittendrin in "The Affair". "Killing Eve" fand ich absolut großartig, "Fleabag" ebenfalls. "Pastewka" ist auch immer wieder große Unterhaltung.
"Die Heinzels - Rückkehr der Heinzelmännchen" mit den Stimmen unter anderem von Bill Mockridge und Marie-Luise Marjan läuft ab 30. Januar 2020 in den deutschen Kinos.