Lange Zeit hatten sie sich die Parteikollegen aus der CDU mit Kritik gegenüber der langjährigen Bundeskanzlerin Angela Merkel zurückgehalten. Doch mittlerweile scheint die Schonfrist abgelaufen zu sein. Jetzt wird die im vergangenen Jahr ausgeschiedene Kanzlerin wegen der gescheiterten Russland-Politik auch von Mitgliedern der CDU scharf kritisiert. Hat die Alt-Kanzlerin eine Mitschuld an der aktuellen Lage?
Im Nachhinein wird klar, dass Angela Merkels Russland-Politik mit Pauken und Trompeten gescheitert ist. Während ihrer Amtszeit hatten viele Experten aus der Politik ihren Einfluss auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin immer als ziemlich groß eingeschätzt. Doch angesichts des seit 10 Monaten laufenden Ukraine-Krieges wird auch Merkels Rolle mittlerweile aus einem anderen Sichtwinkel beurteilt. In den letzten Wochen hat die ehemalige Regierungschefin immer wieder versucht, ihre Position zu rechtfertigen, wieso es nicht möglich gewesen sei, einen größeren Einfluss auf Putin auszuüben. In den letzten Wochen werden die kritischen Stimmen auch aus der eigenen Partei immer lauter. Zuletzt hatten unter anderem der Obmann der Unionsfraktion im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, Roderich Kiesewetter und CDU-Politiker Johann Wadephul scharfe Kritik an Merkel geübt. Im Nachhinein sehen es Merkels Parteikollegen als Fehler an, dass die ehemalige Bundeskanzler nach der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 lediglich auf Diplomatie gesetzt und es abgelehnt hatte, die ukrainische Armee auszubilden und mit Waffen zu beliefern. Offenbar sei Putin dadurch nur noch mehr ermutigt worden, einen erneuten Angriff auf die Ukraine vorzunehmen. Zwar habe Merkel Putins Gedankengänge nüchtern und realistisch eingeschätzt, daraus allerdings die falschen Handlungsschlüsse gezogen.