Experten glauben, dass Putin die Veranstaltung abgesagt hatte, um kritischen Fragen der internationalen Presse zu entgehen. Schließlich wäre die Beantwortung von Fragen mit dem Risiko verbunden, dass sich Putin in Widersprüche verstricken oder in eine Sackgasse manövrieren könnte. Zudem dürfte die Absage auch wieder Gerüchte um eine angeblich schwere Erkrankung des Diktators befeuern. In den letzten Monaten hieß es, dass Putin an Krebs und Parkinson erkrankt sei, was der Kreml allerdings konsequent dementiert. Neben der jährlichen Pressekonferenz wird Putin auch die jährliche Ansprache an die Föderationsversammlung und den Föderationsrat vor der russischen Staatsduma ausfallen lassen. Diese Veranstaltung ist eigentlich bereits seit 1994 in der russischen Verfassung verankert. Ein Ausfall dieser Veranstaltung habe eine enorme symbolische Bedeutung für das russische Volk. In diesem Zusammenhang vermuten westliche Experten, dass es sich Putin nicht leisten könnte, die enormen Kosten für den Krieg in der Ukraine vor der Duma zu rechtfertigen. Besonders auch deshalb, weil Putin im Moment wenig Positives von der Front in der Ukraine vermelden kann. In den letzten Monaten hatte die russische Armee große Teile der besetzten Gebiete wieder an die Ukraine verloren. Ebenfalls abgesagt werden soll der traditionelle Neujahrsempfang im Kreml. Offenbar hat Wladimir Putin also gerade gar keine Lust darauf, sich mit kritischen Fragen auseinanderzusetzen.