Um die Absage von Steinmeier gibt es vor allem auch deshalb Diskussionen, weil sie politische Brisanz birgt. Noch im Frühjahr hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen Besuch Steinmeiers in Kiew abgelehnt, weil dieser angeblich eine verfehlte Russlandpolitik betrieben habe. Im Sommer waren diese Streitigkeiten jedoch bei einem gemeinsamen Telefongespräch beigelegt worden. Steinmeier hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für gute Beziehungen zu Russland eingesetzt, obwohl das Land im Jahr 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert hatte. Nach dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine hatte Steinmeier öffentlich seinen Fehler eingestanden. Auch das Festhalten an Nord Stream 2 bezeichnete Steinmeier im Nachhinein als Fehler. SPD-Chef Lars Klingbeil gestand die von der Partei gemachten Fehler ein. Steinmeier wird zudem ein sehr gutes Verhältnis zum Kreml-Außenminister Sergej Lawrow (72) nachgesagt. Unter dem umstrittenen ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, der seinerseits eine enge Beziehung zum russischen Präsidenten Wladimir Putin pflegt, war Steinmeier lange Jahre Chef des Bundeskanzleramts.