Deshalb sucht man nun von russischer Seite einen Ausweg. Geplant ist es die Gläubiger in Rubel oder in anderen harten Devisen außer dem Dollar zu bezahlen, um so die westliche Zahlungsinfrastruktur komplett zu umgehen. Der russische Finanzminister Anton Siluanow hatte ein ähnliches Rubel-Konvertierungszahlungssystem vorgeschlagen, wie es bereits den russischen Gaskunden auferlegt wurde. So müssten die Gläubiger dann Konten bei einer russischen Bank eröffnen und erhielten dann die fälligen Zahlungen dort gutgeschrieben. Doch eine Lösung ist dies nicht, da US-Investoren nicht an einer solchen Lösung partizipieren dürften. In diesem Zusammenhang hatte die EU am Freitag Sanktionen gegen die russische National Settlement Depository verhängt. Das Unternehmen hätte eigentlich die Zahlung der Anleihen abwickeln sollte.
Schon Ende Juni droht nun die Zahlungsunfähigkeit Russlands. Denn die am 27. Mai fälligen Zinsen für russische Anleihen müssen trotz der Sanktionen spätestens 30 Tage nach der Frist bei den Gläubigern eingehen. Aktuell geht es um Zinszahlungen im Wert von 71,25 Millionen US-Dollar und 26,5 Millionen Euro. Trifft dieses Geld nicht in einer Nachfrist von 30 Tagen bei den Gläubigern ein, gilt Russland als zahlungsunfähig. Und die Staatspleite hätte schlimme Folgen für Russland. Zwar ist das Land bereits von den globalen Finanzmärkten abgeschnitten, doch neben Reputationsschäden hätte ein Zahlungsausfall auch noch andere Konsequenzen. Die Gläubiger könnten die Beschlagnahmung von Russlands Auslandsvermögen beantragen und es würde zu einem langen Prozess hinsichtlich der Restrukturierung ausgefallener Schulden kommen, wenn Russland eines Tages versuchen sollte, bessere Beziehungen zu den westlichen Ländern zu suchen. Generell sorgt ein Staatsbankrott langfristig für hohe Kreditkosten, die Russland noch über Jahre begleiten würden.