Weil die Invasion in der Ukraine nicht wie geplant läuft, muss sich der russischer Präsident Wladimir Putin jetzt auch mit scharfer Kritik aus den eigenen Reihen auseinandersetzen. Denn die schmerzhaften Verluste an der Front, die Führungsprobleme und die Demoralisierung in der russischen Truppe und der Streit um die Kriegstaktik haben nun auch zur Kritik an Putin selbst geführt. So greift jetzt der Ex-Geheimdienstler Igor Girkin den Kreml-Führer ungewohnt scharf an.
Wie das renommiert "Institute for the Study of War“ (ISW) in seiner neusten Analyse feststellt, wächst die Unzufriedenheit innerhalb der russischen Armee immer weiter. Einer der Kritikpunkte ist die vorgegebene Kriegstaktik des Kremls. Die hohe Anzahl verletzter oder getöteter Soldaten sollen nun "die russischen Fähigkeiten weiter beeinträchtigen und zu weiteren moralischen Zusammenbrüchen führen“, schlussfolgert das Institut in seiner Analyse. Die Analyse beruht auf Informationen des britischen Verteidigungsministerium. Nach deren Recherche habe die russische Armee "verheerende Verluste“ bei Offizieren jüngeren und mittleren Alters erlitten. Dies liegt unter anderem daran, dass die Offiziere selbst in die Gefahrenzonen geschickt werden, statt diese Aufgaben an unterrangige Offiziere zu delegieren. Weil mittlerweile viele Offiziere getötet oder verwundet wurden, falle es den Russen immer schwerer, die eigenen Truppen zu führen und zu kontrollieren. Unter anderem führt dies nun dazu, dass die Truppen wie Flickwerk "aus den Überlebenden mehrerer anderer Einheiten zusammengeschustert“ werden. Dies führt zu steigendem Konfliktpotenzial und Zerwürfnissen.